Analogliebe

Warum denn Film? Ist das nicht total altmodisch und umständlich im digitalen Zeitalter? Film kostet Geld, entwickeln kostet Geld und dann sieht man nicht mal sofort was. Das soll Spaß machen? Das braucht doch echt kein Mensch mehr oder? Glaubt man den Lomographen, dann soll das ganze Analogzeugs Spaß machen und kreativ sein und so.

Ja, tut es und ist es. Auch wenn ich die Analogfotografie fast wieder an den Nagel gehängt hätte nachdem die Madame meinem Enthusiasmus beim Verknipsen des ersten Films erstmal kräftig vors Schienbein getreten hat. Der erste Film zeigte sich nach dem Entwickeln als herbe Enttäuschung, war doch die eine Hälfte der Bilder gar nicht belichtet und die andere Hälfte der Bilder verwackelt und unscharf. So hatte ich mir das ja nun nicht vorgestellt …

Tja. Nun ist die Madame aber auch dafür verantwortlich daß ich mich trotzdem in das Abenteuer analog gestürzt habe. Denn bei schönem warmen Wetter funktioniert die Madame einwandfrei. Der zweite Film, verknipst bei wärmeren Temperaturen, hat mich mit seinen Ergebnissen dann echt vom Hocker gehauen. Eine über vierzig Jahre alte Kamera, die auf Kleinbild derart scharfe Bilder produziert? Da wollte ich dann mehr von. In Dealerkreisen nennt man das „angefixt“.

Da die Madame ja nun bei Kälte nicht so recht wollte wie ich das gerne hätte und ich (bis jetzt) niemanden gefunden habe, der sie hätte warten wollen, mußte Ersatz her. So zogen nach und nach Spielzeugkameras und analoge Schätzchen bei mir ein. Denn Film ist cool!

Warum? Weil ich es faszinierend finde eine Kamera zu öffnen, einen Film einzulegen und dann 36x die Chance habe ein wirklich gutes Bild aufzunehmen bevor ich den Film zurück spule und zum Entwickeln bringe. Weil das Warten auf Ergebnisse spannend ist. Weil ich etwas Anfaßbares, nämlich entwickelte Negative, zurück bekomme. Weil ich die Bilder nicht mühsam am PC auf analog trimmen muß, die Effekte kommen von alleine. Weil ich die Haptik und die Technik alter Kameras faszinierend finde. Weil das Fotografieren mit einer voll manuellen Spiegelreflexkamera einfach nicht mit dem Bedienen einer digitalen Kamera zu vergleichen ist. Weil ich mehr darüber nachdenke bevor ich auf den Auslöser drücke. Weil es meine Vorstellungskraft trainiert wenn ich mir überlegen muß wie ich das Motiv darstellen kann wenn ich davon nur ein analoges Bild statt drölfzig digitale machen möchte. Weil ich finde daß so eine voll manuelle Kamera mir eine verdammt gute Lehrerin sein kann auch wenn der Lernprozeß ein sehr entschleunigter ist. Und weil ich zu guter Letzt mit so einem alten Knipskasten aus Metall notfalls auch einen Taschenräuber k.o. schlagen kann.

Hier findest Du noch mehr zur Faszination Analog: hinter den einzelnen Bannern verbergen sich die Beiträge über meine Kameras und Artikel, die sich mit der Analogfotografie beschäftigen. Klick Dich durch und paß gut auf Dich auf, Analogfotografie ist ansteckend 😉

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