Kopfhörerbügel umhäkelt, im Vordergrund ein Wollrest und eine Häkelnadel

Mein Kopfhörer trägt Merino.

Eigentlich bin ich kein geiziger Mensch. Ich habe das unfassbare Privileg, nicht lange nachdenken zu müssen, wie lange ich sparen muß bevor ich mir neue Dinge leiste. Uneigentlich hasse ich es, Geld für etwas auszugeben und Vorhandenes wegzuwerfen, was noch funktioniert, nur weil sie optisch schäbig sind. So ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen Geld in meinem Leben Mangelware war. So ging es mir auch mit meinem vor sieben Jahren angeschafften Bluetooth Kopfhörer, den ich für kleines Geld gekauft habe, um in Ruhe Hörbücher während des Aufräumens oder Musik beim Werkeln am Rechner zu hören, ohne dabei den besten Cookie von allen zu stören.

Wie das so ist mit billigen Dingen, die nicht aus den hochwertigsten Materialien gefertigt sind, fingen die Polster für die Ohren nach zwei, drei Jahren an zu zerbröseln. Was dazu führte, daß ich nach Nutzung jedes Mal kleine Kunstlederschnipsel an den Ohren kleben hatte und damit aussah, als würde ich mir seit Jahren die Horchlöffel nicht mehr waschen. Weil Cookie gut darin ist, Dinge zu reparieren, tauschte er mir die Polster gegen Ersatz aus. Gibt es für kleines Geld. Das Spiel haben wir bereits zwei Mal durchgezogen. Bis das Polster am Bügel ebenfalls beschloss, es sei an der Zeit, sich in kleine Schnipselchen zu zerlegen. Und dafür gibt es keinen Ersatz.

Was den unschönen Effekt mit sich brachte, daß mir nach Nutzung ständig schwarze Schuppen aus den Haaren rieselten und ich im ersten Moment dachte, ich hätte Kopfläuse oder ähnliches Ungeziefer in der Kopfwolle. Ja, ich hätte mir einen neuen Kopfhörer kaufen können, auch einen hochwertigeren. Stattdessen habe ich blaues Isolierband um den Bügel gewickelt. Sah nicht stylisch aus, funktionierte aber. Bis vor ein paar Wochen. Im Laufe der Zeit ließ offenbar die Klebekraft des Isolierbands nach, so daß es nicht mehr am Bügel kleben wollte. Dafür war noch genug Klebrigkeit da, um hervorragend an meinen Haaren fest zu pappen.

Was ein wenig blöd ist, wenn man sich an der gleichen Stelle mehrmals am Tag Haare ausreißt. Ich bin noch nicht so weit, eine modische Halbglatze zu tragen. Ich hadere gelegentlich schon genug mit meiner, dem Altern geschuldeten, Lesebrille. Um den, immerhin hervorragend funktionierenden, Kopfhörer, dessen Akku noch genauso lange hält wie vor sieben Jahren, weiter nutzen zu können, mußte nun eine Lösung her. Weil: noch nicht bereit, für teuer Geld ein besseres Gerät zu kaufen, wenn das bereits vorhandene Teil noch funktioniert. Man gewöhnt sich im Laufe der Jahre schließlich aneinander. Mein Klebeband-Provisorium rupft mir halt das Fell aufm Kopp, diese Tatsache galt es zu beseitigen.

Cookie meinte im Scherz zu mir, ich solle halt was drum herum stricken statt noch eine Lage Isolierband auf die nicht mehr haftende zu wickeln. Hmm. Gar nicht so blöd, die Idee. Mir war das Stricken am Ende zu fummelig, also habe ich Wollrest und Häkelnadel zusammengesucht und in fingerbrechender Kleinstarbeit meinem Kopfhörer ein Mäntelchen um den Bügel gehäkelt. Er trägt jetzt reine Merino in graublau. Gut, einen Designpreis gewinne ich damit nicht, dafür ist das Problem der drohenden Teilglatze gelöst, ich kann wieder Hörbüchern lauschen, ohne mir im Anschluß die Kopfhaut kahl zu zupfen und ich muß mich nicht damit beschäftigen, welchen Ersatz ich käuflich erwerben möchte. Denn meine Ohren haben offenbar eine nicht normgerechte Form und einen Overear zu finden, der mir nicht irgendwo auf die Löffel drückt, ist ein nerviges Glücksspiel, was ich bereits in der Firma durch gespielt habe …

Eine Hand hält einen kabellosen Kopfhörer am Bügel, der mit grauer Wolle umhäkelt wurde.

Auf die nächsten Jahre. Wenn er endgültig kaputt ist, kann ich schließlich immer noch einen neuen Kopfhörer kaufen, bis dahin habe ich eben einen mit Mäntelchen. Friert er wenigstens im Winter nicht.

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