Was sind schon 365 Tage?

Gotta raise some hell, ‘fore they take you down
Gotta live this life
Gotta look this world in the eye
Gotta live this life until you die

Curtis Stigers & The Forest Rangers “This Life

Ein Jahr ist vergangen. 365 Tage, in denen ich an Dich gedacht habe. 365 Tage, in denen ich oft genug das Handy in die Hand genommen hab um Deine Nummer zu wählen. 365 Tage, in denen mir immer wieder auf die harte Tour ins Bewußtsein gerufen wurde, daß Du mir nicht mehr antworten wirst. 365 Tage, in denen mein Telefon nicht klingelte und mir ein langgezogenes “Naaa, Zicke?” entgegen tönt. Niemand außer Dir darf mich so nennen, das war einzig Dein Privileg. 365 Tage, in denen das große Loch in meinem Leben nur quälend langsam in winzigen Schritten kleiner wird.

365 Tage, in denen sich immer wieder der Schmerz wie ein Band um die Brust legt und das Atmen schwer macht. 365 Tage, in denen die guten Dinge, die mir passiert sind, oft den bitteren Beigeschmack hatten daß ich Dir davon nicht mehr erzählen kann. 365 Tage, in denen ich mit mir selber lästern mußte weil meine liebste Lästerschwester verstummt ist. Du weißt, was ich meine. Mit niemandem machte es mehr Spaß, über den Rest der Welt herzuziehen ohne sich für das Gesagte nachher rechtfertigen zu müssen. 365 Tage, in denen ich es nicht geschafft habe, 13 Reasons weiter zu schauen. Genau, deswegen.

365 Tage, in denen ich dankbar dafür bin, daß niemand so Sachen wie “Aber er hätte nicht gewollt, daß …” zu mir gesagt hat. Ich wäre der unglücklichen Socke vermutlich mit aller Gewalt an den Hals gesprungen. Außer mir und Dir weiß niemand, was Du für mich gewollt hast und was nicht. 365 Tage, in denen ich Dich nicht mehr um Rat fragen kann. 365 Tage mit der Gewissheit, wie schmerzhaft es ist, Dich zu verlieren. 365 Tage, in denen sich die Welt weiter gedreht hat. Ohne Dich. 365 Tage, in denen ich also lernen mußte, ohne Dich auszukommen. 365 Tage, in denen ich mich ständig mit der Angst konfrontiert sah, was passiert wenn mir der nächste Verlust bevorsteht. 365 Tage, in denen ich alles dafür gegeben hätte, noch einmal Deine Stimme zu hören. Bis ich die Dateien alter Sprachnachrichten beim Aufräumen des Telefonspeichers gefunden habe. Das war hart, Alter, richtig hart.

365 Tage. Und heute wäre Dein einundfünfzigster Geburtstag.

Happy Birthday, Du alter Sack.

Ich vermisse Dich. Wo immer Du bist, ich trink einen auf Dich.

Veränderung … wenn nichts bleibt, wie es war.

Dieses uralte Lied, immerhin ist es von 1972, begleitet mich seit meiner Kindheit. Ein Überbleibsel der Zeit, die ich in der Kinder- und Jugendgruppe der Kirche verbracht habe. Schon als Kind hat dieser Text eine Saite in mir angeschlagen, ich habe die Melancholie darin geliebt. Nun ja, und als Teenager wurde die Melancholie ohnehin zu meinem zweiten Vornamen. Rilke lesende, ehemals Pubertierende anwesend? Einmal aufzeigen, bitte. Schön, herzlich Willkommen! Aber zurück zum Text. Herr Wader hat es geschafft, diesen Konflikt zwischen Sicherheit und Veränderung perfekt auf den Punkt zu bringen. Oder auf die Note. Veränderung … wenn nichts bleibt, wie es war. weiterlesen

Goodbye, Dear Friend.

The world, it carries on
Your memories and song
And your pictures on my wall,
are not forgotten.

Deer Tick „Goodbye, Dear Friend“

Danke dafür, daß Du hinter mir gestanden und mir den Rücken gedeckt hast. Du warst mein Sicherheitsnetz und zu wissen, daß ich zu Dir kommen konnte selbst wenn der Rest der Welt in Trümmer fällt, hat mir das Rückgrat gerade gehalten.

Danke dafür, daß Du mich von meiner schlimmsten und von meiner besten Seite gesehen und nie ein Wort darüber verloren hast. Du hast mich immer gesehen. Du warst in den beschissenen Zeiten da und Du warst in den guten Zeiten da. Von Dir habe ich gelernt, wie man wieder aufsteht, den Scheiß hinter sich läßt und den guten Zeiten entgegen geht.

Danke dafür, daß Du an mich geglaubt hast. Egal, wie sehr ich an mir selber gezweifelt habe, ich konnte mir sicher sein, Du glaubst an mich. Immer, wenn ich denke, ich kann etwas nicht, dann höre ich Dein „Hast du nen Nagel im Kopp?! Natürlich kannst du das, du bist das intelligenteste Mädchen, das ich kenne!“ Und du kanntest immerhin eine ganze Menge Mädchen.

Danke dafür, daß Du ein offenes Ohr hattest und alles, was mir so groß und erdrückend erschien, mit gutmütigem Lachen zu dem gemacht hast, was es war: nicht wichtig genug um sich lange den Kopf darüber zu zerbrechen. Und trotzdem hast Du Dir meine Tiraden bis zum Ende angehört.

Danke dafür, daß Du nie versucht hast, mich zu verändern. Ich war in Deinen Augen richtig, so wie ich bin. Bei Dir durfte ich stets ich selber sein.

Danke dafür, daß es Dir absolut egal war, was andere über unsere Freundschaft gesagt haben, die als etwas anderes begann und sogar unsere Trennung als Paar vor so vielen Jahren überstanden hat. Von Dir habe ich gelernt, nichts auf das zu geben, was andere denken und das zu tun, was ich für richtig halte.

Danke für all die lustigen Telefonate, die so häufig mit „Alter, sind eigentlich alle Frauen bescheuert?!“ begannen und bei denen ich nach fünf Minuten lachend am Boden lag. Niemand konnte so lustige Frauengeschichten erzählen wie Du.

Danke dafür, daß Du mir so oft den Arsch gerettet hast. Egal, wann ich Deine Hilfe gebraucht habe, Du hast alle Hebel in Bewegung gesetzt um mir zu helfen. Und Du hast mich nie aufgegeben, selbst dann nicht, als ich mich selber abgeschrieben habe. Ich hätte Dich mitten in der Nacht anrufen können um eine Leiche zu begraben und Du hättest nur gefragt “Wo muß ich hin und wie viele Schaufeln brauchen wir?”

Danke dafür, daß Du dich von Herzen mit mir gefreut hast über meine Erfolge und all das Gute, was mir widerfahren ist. Ich kenne wenige Menschen, die so sehr von Herzen gönnen können wie Du. Immer, wenn mir etwas Gutes passiert, ist einer meiner ersten Gedanken, daß ich Dir das erzählen muss weil Du Dich darüber mit mir freuen wirst.

Danke dafür, daß Du mir nie erzählt hast was ich hören wollte, sondern was ich hören mußte. Du hattest nie Angst davor, mir den nötigen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen statt mich zu bedauern. Deine Ehrlichkeit wird mir fehlen.

Danke dafür, daß Du meine Geheimnisse bewahrt hast. Die peinlichen, die lustigen und auch die kleinen, schwarzen, für die man sich am Ende in Grund und Boden schämt. Ja, ich weiß, daß Du damals Recht hattest mit dem Typen, der war ein Vollidiot. Du hattest auch Recht mit Cookie. Zum Glück. Die Abmachung, was wir uns erzählen bleibt bei uns, war der Grundstein für das große Vertrauen zu Dir.

Danke dafür, daß Du mir jedes Mal, wenn ich wieder mal Verständnisprobleme mit Männern hatte, geduldig erklärt hast, wie Männer ticken. Nachdem ich mich gefühlt fünf Stunden ausgekotzt hab, wie scheiße Männer sind.

Danke dafür, daß ich so viele schöne, lustige und gute Erinnerungen habe, in denen Du eine Hauptrolle spielst. Mit Dir war es nie langweilig, selbst eine stundenlange Autofahrt konnte mit Dir zum Abenteuer werden.

Danke dafür, daß ich so viel von Dir lernen durfte und für den Einfluß, den Du auf mein Leben genommen hast. Wer weiß, wo und was ich heute wäre wenn ich Dir nicht begegnet wäre. Du hast mich gelehrt, mich nicht verbiegen zu lassen.

Danke für zwanzig Jahre Freundschaft durch dick und dünn. Ich werde Dich vermissen. Ja, ja, ich weiß „Mimimi, stell dich nicht an wie ein kleines Mädchen!“ Werde ich nicht. Ich werde Dich vermissen wie ein großes Mädchen. Versprochen.

Schlaf gut, mein Freund. Du wärest heute fünfzig geworden.

Auf Wiedersehen Social Media.

Es gibt da diesen einen Satz, mit dem meine Mutter jegliche Diskussion mit ihrer, damals stark im Griff der Pubertät befindlichen, Tochter direkt im Keim erstickte. Jedesmal, in meiner Realität zumindest, wenn ich etwas wollte, von dem ich glaubte es sei cool, sagte meine Mutter “Nein” zu mir. Diese Art von Nein, die gleich der chinesischen Mauer wuchtig in der Gegend herum steht und mich unüberwindlich von meinem Ziel trennte. Sobald meine Verzweiflung, dieses Diskussionsäquivalent der chinesischen Mauer, bestehend aus vier unschuldigen Buchstaben, überwinden zu wollen, groß genug wurde … dann, ja dann, beging ich jedesmal den gleichen folgenschweren Fehler.  Auf Wiedersehen Social Media. weiterlesen

Frau Mirtana voll im Trend: Entrümpeln!

Jeden Morgen tat ich das, was Millionen anderer Menschen auch tun. Ich wachte auf und öffnete die Augen. Und bevor ich noch ganz richtig wach war fühlte ich schon den Frust mit seinen kalten Fingern im Nacken. Andere Menschen müssen wenigstens mit dem falschen Fuß aufgestanden sein um ohne gute Laune in den Tag zu starten. Ich brauchte das nicht. Nö, ich mußte nur morgens die Augen aufmachen und ZACKBÄMM, schlechte Laune. Frau Mirtana voll im Trend: Entrümpeln! weiterlesen

Und dann sind da diese Fehlschläge …

… die Dir volle Lotte ins Genick hauen. Und entweder bricht Dir die Wucht das Genick oder Du schüttelst sie ab. Um weiter zu machen. Oder, das wäre wohl der Idealfall, einfach daraus zu lernen. Fehlschläge als Lektion begreifen ist etwas, das weh tun kann. Käme eine Fee vorbei geschwebt und böte mir an, sie würde mir drei Wünsche erfüllen, dann nähme ich nur einen. Lernen ohne dabei immer so schmerzhaft auf die Fresse fallen zu müssen. Mehr bräuchte ich nicht.  Und dann sind da diese Fehlschläge … weiterlesen

Realitätscheck? Die Realität kann mich mal.

Samstag morgen. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint ins Fenster und kühl streicht mir die Morgenluft übers Gesicht. Gut gelaunt schwinge ich mich aus dem Bett, schließe leise die Türe hinter mir damit der beste Cookie noch ein wenig schlafen kann. Ich hingegen nutze die morgendliche Ruhe für ein bißchen Yoga im Wohnzimmer. Man muß ja geschmeidig bleiben im Alter. Danach bin ich bis in die Haarspitzen entspannt und genieße ein gutes Frühstück. Mit Knäcke und Hüttenkäse und Superfoods und so. Hauptsache gesund und lecker, das ist schließlich nicht nur gut für mich sondern sieht, so unter uns, verdammt fotogen aus.  Realitätscheck? Die Realität kann mich mal. weiterlesen