Deutschland geht unter! Wie, schon wieder?

Gelegentlich verbringe ich meine Freizeit mit merkwürdigen Aktivitäten. Sei es die Auseinandersetzung mit dem 600seitigen Haushaltsentwurf meiner Heimatstadt und dem Versuch, dieses Zahlenwunderwerk verstehen zu wollen. Oder aber ich schaue Bundestagsdebatten. Klingt komisch, ist aber so. Wir haben schließlich ein öffentlich arbeitendes Parlament und statt mir die Zusammenfassung in diversen journalistischen Publikationen zu Gemüte zu führen, gucke ich mir eben die Originalquelle an. Man mag das merkwürdig finden, ich finde das interessant.

Das mache ich schon einige Jahre. Dabei ist mir gerade in der aktuellen Legislatur etwas aufgefallen: egal, um welches Thema es geht, die Redebeiträge der Fraktion ganz rechts laufen immer nur auf ihr Lieblingsthema hinaus, die Migration und den dadurch ausgelösten Untergang des deutschen Vaterlandes. Ob man über Rente, Infrastruktur, Wohnungsmangel, Bafög, Kinderbetreuung, Frauenrechte, Umwelt, Energieversorgung, Klimawandel oder die Existenz des fliegenden Spaghettimonsters debattiert. Alle Probleme in diesem Land haben einen Endgegner. Es ist am Ende immer die Schuld der Migranten. Und als ob das nicht genug ist, brachte die Fraktion der AfDeppen diese Legislatur bereits 21 unmittelbar migrationspolitische Anträge ein. Kann man auf Bundestag.de selber recherchieren. Und ich habe die Gesetzesentwürfe und parlamentarische Fragen darin noch gar nicht mitgezählt. Deutschland geht unter! Wie, schon wieder? weiterlesen

Der Sommer ist kein Argument.

„Wie kann man denn bei dem schönen Wetter hier im Dunklen sitzen?!“ ist dieser eine Satz, den ich gerne mal von den mir zugehörigen Erziehungsberechtigten zu hören bekam, wenn ich mich bei hochsommerlichen Temperaturen jenseits der dreißig Grad in meinem Zimmer verkroch, bei geschlossenen Fenstern und heruntergelassenen Rollos. Ich konnte unglaublich bequem im Halbdunkel sitzen und lesend darauf warten, daß der Backofen außerhalb der eigenen vier Wände das Heizen einstellt. Und mir hat sich nie erschlossen, was so erstrebenswert daran sein soll, bei Hitze „das gute Wetter draußen zu genießen“. Der Sommer ist kein Argument. weiterlesen

Dear Diary #9: Blink doch, du dämliche Pflaume!

Ich bin aus Überzeugung Motorradfahrerin geworden. Ich hätte auch Töpfern lernen können. Oder Stand-up-Paddling. Oder mich zu den Leuten gesellen können, die nach Feierabend ihre Wohnung minimalistisch mit Kerzenlicht ausleuchten und dann achtsam in die Flamme starren. Doch ich habe mich für zwei Räder mit 57 PS entschieden. Mein Schwänchen, die brave, unterschätzte Deauville mit Kardan und mehr Bauch als Biss. Und das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Was mich allerdings regelmäßig sprachlos macht und mir den Wind aus dem Visier nimmt: Autofahrende Menschen, die anscheinend ihren Führerschein in einem Escape Room mit Stroboskoplicht gemacht haben. Menschen, die entweder komplett überfordert sind, sobald sie ein Motorrad sehen oder sich schlicht denken „Oh! Ein Moped! Endlich kann ich mal was richtig, richtig Dämliches tun!“ Dear Diary #9: Blink doch, du dämliche Pflaume! weiterlesen

Dear Diary #7: Früher war alles besser.

Seit einiger Zeit spülen mir der Youtube-Algorithmus und diverse Status-Meldungen diese lustigen Teilebildchen und Videoclips auf die Mattscheibe, die mir nostalgietriefend erklären möchten, was früher alles besser war. Kennt man, diese hochglanzbearbeiteten Rückblenden im Retrolook, in denen Sandkastenspaß, Kassettenspieler, Fahrradstürze und Telefonzellen als Beweise für eine goldene Ära verkauft werden. Als es noch kein Handy, kein Internet gab. Als eben alles noch viel besser und schöner war. Und wo Kindheit noch richtige Kindheit war. Dear Diary #7: Früher war alles besser. weiterlesen

Ist das jetzt die Arschkarte für Deutschland?

Und immer, wenn Du denkst: schlimmer geht nimmer … Dann kommt irgendwo die CDU mit Merz und Söder daher und grinst „Challenge accepted.“ Während ich mir (wie viele andere Menschen in Deutschland vermutlich auch) die Frage stelle, wie es nach dieser Bundestagswahl weitergeht, während über Wahlbeteiligung, Politikverdrossenheit und den Zustand der Demokratie diskutiert wird, während die echten Probleme immer noch zuhauf auf Lösung warten, da sitzt die CDU in ihrem Kämmerlein und grübelt: „Hm, was könnte denn jetzt wohl das dringendste Problem in diesem Lande sein? Was sollen wir denn als Erstes angehen?“

Spoiler: eine Koalition zu schmieden um eine stabile Regierung zu bilden scheint gerade nicht als Top Eins auf der Prioritätenliste des Wahlsiegers zu stehen. Weil: Klimakrise? Na, wird halt ein wenig wärmer, was solls. Steigende Mieten und Wohnungsnot? Ach, stellt Euch nicht so an, das regelt der Markt. Wie, Überlastete Pflegekräfte, ausgebrannte Lehrer, kaputte Brücken und Straßen, marode Schulen? Joah, wird dann wohl teuer, ne? Wir streichen das Bürgergeld, dann können wir das schon bezahlen. Aber das kann warten, weil wir als CDU haben ja die wahre Gefahr für Deutschland erkannt. Und wir tun jetzt was dagegen. Tschakka! Ist das jetzt die Arschkarte für Deutschland? weiterlesen

Dear Diary #5: Sach ma, knallt dat bei Euch?!

Zum Jahreswechsel von 2015 auf 2016 war ich vormittags noch kurz beim Discounter um die Ecke, weil ich irgendeine Kleinigkeit vergessen hatte. Und während ich auf der Suche nach der vergessenen Kleinigkeit durch die Gänge lief, zündeten irgendwelche Vollidioten auf dem Parkplatz außerordentlich laute Böller. Und noch während der erste Explosionsknall verhallte, warf sich ein Mensch ein paar Meter vor mir auf den Boden, zitterte am ganzen Körper und hielt sich schützend die Hände über den Kopf. Im ersten Moment fand ich diese Reaktion außerordentlich irritierend. Denn ich reagiere auf diese lauten und unerwarteten Explosionen mit Erschrecken, gefolgt von Wut und lautstarkem Fluchen, in denen nicht jugendfreie Sprache extensiv zum Einsatz kommt und ich dem Verursacher Dinge wünsche, deren Ausführung hochgradig strafbar wäre. Dear Diary #5: Sach ma, knallt dat bei Euch?! weiterlesen

Dear Diary #3: Ich habe fertig.

Das ist tatsächlich graue Nebelsuppe vor meiner Windschutzscheibe. Und nicht etwa eine so dreckige Frontscheibe, daß sie automatisch für die Weichzeichnung der Welt sorgt. Innerhalb von einer Woche bekommen selbst wir unser Beschleunigungsmonster nicht so eingesaut. Die Bäume der Allee strecken ihre schon fast kahlen Äste gen Himmel, lustlos hüpfen ein paar Krähen über den braunen Acker, all die bunten Blätter liegen als Matsch auf dem Asphalt und ich möchte am liebsten wenden. Nach Hause fahren, mir eine Kanne Tee kochen und mit meinem Buch auf der Couch verschlumpfen …

Es ist doch noch Oktober, noch nicht November. Seufz. Nützt ja nix, der Broterwerb ruft. Zähne zusammen beißen und durch. Jetzt beginnt wieder die Zeit der freundlichen Mütter, die mich bei der Arbeit stören. Wenn ich was mit Eltern hätte zu tun haben wollen, ich wäre Lehrerin geworden. Oder sonst irgendwas, wo man auf Eltern trifft. Ich bin Sekretärin. Aus Gründen. Was diverse Mütter nicht davon abhält, trotzdem meine Arbeit zu unterbrechen …
Dear Diary #3: Ich habe fertig. weiterlesen

Wenn ich doch nur so viel essen könnte …

… wie ich aktuell kotzen möchte.

Es folgt ein Rant darüber, wie zermürbend dieser sogenannte Rechtsruck des Landes ist, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Text tatsächlich öffentlich stellen soll. Nicht, weil ich Angst davor habe, anzuecken oder Leser zu vergraulen. Ich bin groß genug, meine Meinung zu finden, zu überdenken und zu ihr zu stehen.

Nein, der Grund für meine Überlegungen ist, daß ich nicht komplett unter einem Nicknamen auf einer anonymen Plattform agiere, sondern auf meinem eigenen Blog mit Impressum. Was mich im realen Leben auffindbar macht. Die Tatsache, daß ich genau darüber nachdenke bevor ich einen Text online stelle, der sich um braunes Gedankengut und die Entwicklungen in Deutschland dreht? Erschreckend. Was passiert bitte in diesem Land? Wenn ich doch nur so viel essen könnte … weiterlesen