Mallorca Meer türkis

Frau Mirtanas erstes Mal … auf Mallorca.

„Lass uns doch mal zusammen in den Urlaub fahren,“ sagt meine beste Freundin, die Frau Rabe, zu mir als sie im letzten Sommer zu Besuch ist. Die sich daraus ergebende Unterhaltung hat etwas von gemeinsamem Luftschlösser bauen. Damit kann man sich hervorragend die Zeit vertreiben ohne jemals Gefahr zu laufen versehentlich aus der eigenen Komfortzone zu purzeln. Wir bauen unser Luftschloss an der Sonne, mit Strandblick und Bergen im Rücken. Träumen von gutem Essen, Seele baumeln lassen, wandern, mit nackten Füßen im Meer stehen und uns auf Entdeckertouren zu begeben.

Statt nun bequem in meiner Komfortzone zu bleiben wird aus unserem Luftschloss nach und nach eine Idee. Die immer handfestere Formen annimmt und schlußendlich in einen Plan übergeht. Dieser Plan endet damit, daß ich im Dezember Hin- und Rückflug buche, wir ein Apartment mit zwei Schlafzimmern reservieren und die Nase in Reiseführer stecken. Ostern treffen wir zwei uns dann auf dem Flughafen in Palma de Mallorca um unseren ersten gemeinsamen Urlaub anzutreten. Womit ich gleich zwei erste Male mit einer Klappe geschlagen hätte. Das erste Mal Mallorca und das erste Mal Urlaub mit Frau Rabe. Ob das mal so eine gute Idee ist? Oder ob die ganze Kiste besser ein Luftschloss geblieben wäre? Sind wir danach Ex-Freundinnen oder kann unsere Freundschaft das ab?

Auf Mallorca, Mittelmeer, Cala Agulla

Mallorca war Frau Rabes Idee. Die steht, im Gegensatz zu mir, nämlich auf Wanderungen in bergigem Gelände. Ich jetzt nicht so, mir genügen Halden. Könnte ich eigentlich mal wieder machen, so eine Haldentour. Die letzte ist schon ein paar Tage her. Aber zurück zum ersten Mal, Halden hab ich sozusagen vor der Haustüre, die kann ich später noch abfrühstücken. Oder besteigen. Mallorca also, wegen der Berge. Und wegen der Strände, für mich. Um mein immer mal wieder akut aufflammendes Meerweh therapieren zu können.

Wenn ich ehrlich bin, dann wußte ich vorher so gut wie nix über Mallorca. Automatisch verband ich mit diesem Namen Ballermann, Eimersaufen, Vollidioten in Masse, bescheuerte Musik, häßliche Bettenburgen“ in meinem Kopf. Man kennt die Klischees über „Malle“. Finde ich übrigens sehr respektlos, dieses Malle. Die Insel heißt Mallorca, so viel Zeit muß sein. Ab und an frage ich mich leise, ob das wirklich ein gutes Reiseziel für mich sein könnte. Andererseits, Frau Rabe war schon auf Mallorca und die käme im Traum nicht auf die Idee, mich in so etwas wie einen Partyurlaub mit Eimersaufen zu verschleppen. Glaube ich.

Auf Mallorca, Mittelmeer, Hafenmauer

So vergeht der Winter, mit Reiseplanung und Vorfreude. Und dem immer wieder leise nagenden Gedanken, mich mutiger zu geben als ich mich eigentlich fühle. Bis ich am Morgen des Abfluges um halb fünf am Düsseldorfer Flughafen stehe um mein Gepäck aufzugeben. Ja, morgens halb fünf. Das kommt davon wenn man den günstigsten Flug bucht. Ich für meinen Teil bin um diese Uhrzeit müde. Andere Leute sind um diese Uhrzeit schon oder immer noch besoffen. Bereits beim Einchecken und Boarding gehen mir diese Trupps gehörig auf den Sack. Nicht nur mir, offensichtlich auch den Flugbegleitern. Bis zum Wiedersehen mit Frau Rabe sollen die Pappköppe an Bord nicht die einzigen nervigen Betrunkenen bleiben.

In Palma de Mallorca gelandet habe ich drei Stunden Wartezeit bis der Flieger von Frau Rabe landet. Zeit, um schon mal in der Sonne vor dem Flughafengebäude zu sitzen. Alter Falter, wo bin ich bitte hier gelandet? Da taumeln ganze Reisegruppen besoffen aus dem Terminal und nicht nur einer kotzt sich irgendwo auf dem Parkplatz erstmal kräftig die Seele aus dem Leib. Ich bin wahlweise konsterniert und entsetzt. Hoffentlich wollen die nicht irgendwo dahin, wo Frau Rabe und meine Wenigkeit gedenken die nächsten sieben Tage zu verbringen. Cala Ratjada hat schließlich auch den Ruf, eine Partyhochburg zu sein … Was mir erst zu Ohren gekommen ist nachdem wir unsere Unterkunft gebucht haben.

Auf Mallorca, Cala Ratjada, Apartmentanlage

Zu meinem Glück ist Nebensaison, da ist Cala Ratjada mehr so ein verschlafener Ort mit schlummernden Hotels am Ortsrand. Also keine Partytouristen. Puh, noch mal Glück gehabt. Dafür ein kleines, schlichtes Apartment in einer ruhigen Anlage, zentral gelegen. Mit Sonnenterrasse. Und Pool im Innenhof, unglaublich bequemen Matratzen und einem Backofen, dessen korrekte Bedienung sich uns während unseres Aufenthaltes nicht erschließen will. Zu Fuß läßt sich alles wichtige innerhalb einer Viertelstunde erreichen. Strand! Hafen! Meer! Berge! Pinienwald! Hach, und Sonne. Urlaub, ich bin da. Komm und mach mich wieder heile, entspannt und fröhlich. Bitte.

Mallorca präsentiert sich mir so unglaublich vielseitig und es gibt so viel zu entdecken. Festungen, wunderbare Märkte (auf denen ich mich nicht traue zu fotografieren, doch diese Geschichte gehört in einen eigenen Blogpost), Natur, Felsen, Meer, klares Wasser, gutes Essen und Sonne. Die mir übrigens direkt am zweiten Tag mal schick die Nase verbrennt so daß ich den Rest des Urlaubes mit einem rot leuchtenden Zinken herum laufe. Trotz Sonnencreme. Meine Nase ist generell nicht gut auf Sonne zu sprechen. Vermutlich könnte ich die einbetonieren, die fände noch einen Weg sich Sonnenbrand einzufangen.

auf Mallorca, Inca, Streetart

Ich gestehe, ich habe mich in diesen sieben Tagen ein wenig in diese zauberhafte Insel mit ihrer abwechslungsreichen Landschaft verliebt. Obwohl mich ein Ohrenkaktus für mein nicht autorisiertes Näherkommen mit Stacheln an empfindlicher Körperstelle abgestraft hat. Hat man halt davon wenn man mit der Kamera vor dem Gesicht nicht aufpaßt wo man hin latscht. Offensichtlich habe ich mich auch mit Fernweh angesteckt in diesem Urlaub. Übrigens, ein naher Verwandter des Meerwehs. Ich habe nur einen Bruchteil dessen gesehen was Mallorca zu bieten hat und ich bin entschlossen unbedingt dorthin zurück kehren zu müssen.

Mich einfach treiben lassen mit meiner Kamera in der Hand. Die kleinen Städte und Dörfer entdecken. Auf den Felsen sitzen und mit einem glückseligen (und leicht debil anmutenden) Dauergrinsen auf das türkise Meer hinausschauen. Mit den Füßen im Mittelmeer stehen, trotz schattiger 13° C Wassertemperatur. Mit Bus und Auto und dem roten Blitz fahren. Durch enge, kleine Gassen streifen. Kirchen und Burgen bestaunen. Und all die Ecken sehen für die ein sieben Tage dauernder Urlaub nicht ausgereicht hat.

Mallorca, Festung Capdepera

Felsenblümchen, auf Mallorca

Noch mehr erste Male auf Mallorca sammeln beim nächsten Besuch. Doch für diesen Monat hätte ich da im Angebot:

  1. Zum ersten Mal im Leben mit den Füssen im Mittelmeer gestanden. Und das trotz der niedrigen Temperaturen. Damit auch gleich gelernt daß das Mittelmeer im Frühling alles andere als warm ist. Sondern mehr so „Ohmeingott, ohmeingott, ist das scheiße kalt!“
  2. Zum ersten Mal im Leben in einem Salzwasser-Pool geschwommen. Der dann auch nicht viel wärmer war als das Mittelmehr, vielleicht gerade mal so um die 16° C. Oder: „Wenn man erstmal ganz drin ist, dann geht’s. Irgendwann halt, bis dahin üben Sie immer schön Schnappatmung.“
  3. Zum ersten Mal im Leben Geckos in freier Wildbahn gesehen und dann daran gescheitert sie beim Sonnenbaden abzulichten – die waren einfach zu schnell und ich hatte mein 85er nicht mit. Dafür habe ich dann still dagesessen und gewartet bis sie wieder aus ihren Verstecken kamen um sie dann einfach so zu betrachten.
  4. Zum ersten Mal als Erwachsene mit dem Flugzeug in den Urlaub geflogen. Und das auch noch alleine. Für die Zukunft gelernt daß ich keine Flugangst habe.
  5. Zum ersten Mal für mich ein Auto gemietet. Und dann noch so eine Fiat Knutschkugel 500. Weil ich es dann ganz Hardcore haben wollte damit auf dem Weg nach Cap de Formentor Serpentinen gefahren. Mit Hindernissen. Dabei altert man so schön.

Nicht nur viele erste Male habe ich dort gesammelt, sondern ich bin viel spazieren gegangen und habe dabei analog fotografiert. Die Filme müssen allerdings noch zur Entwicklung. Wenn ich die Ergebnisse habe, erzähle und zeige ich Euch meinen Tag in Arta. Und vermutlich noch ganz viel mehr Meer. Da müssen wir dann alle tapfer durch.

auf Mallorca, Mittelmeer, Meerweh

Party auf Mallorca? Ja, kann man machen. Wenn man darauf steht. Allerdings bietet die siebtgrößte Insel im Mittelmeer für jedes Interesse etwas. Man kann dort abseits von Bettenburgen einen wunderbaren, individuellen Urlaub verbringen. Und genau das habe ich gemacht. Zum ersten Mal.

Und ein ganz besonderes erstes Mal habe ich mir zum Schluß aufgehoben. Am letzten Tag vor meinem Abflug werde ich morgens um halb sechs wach weil draußen der rote Kater in herzzereißenden Tönen Liebeslieder sang. Mein lieber Herr Gesangsverein, so verknallte Kater können aber auch Töne von sich geben! Da erwachen selbst Mumien wieder zum Leben. So, halb sechs. Morgens! Und das am letzten Tag auf Mallorca. Bei dem Krach kriegt doch kein Mensch die Augen zu. Ich überlege, im Bett liegend, wie hoch der Grad meiner Angepißtheit sein könnte. Das Blöde daran? Je angepißter ich werde desto weniger kann ich wieder einschlafen. Je weniger ich einschlafen kann, desto mehr nervt mich das Gejaule und je genervter ich werde umso wacher werde ich schlußendlich auch. Klassische Abwärtsspirale, wa?

Sonnenaufgang auf Mallorca

Zuhause hätte ich vermutlich schon das Fenster aufgerissen und dem Kater lauthals fluchend Wasser übern Kopp gekippt. Im Urlaub hingegen klettere ich aus dem Bett, ziehe mich im Dunklen an und versuche möglichst leise das gemeinsame Apartement zu verlassen. Leise heißt in dem Falle ohne mir die Zehen an diversen Möbeln zu verstauchen. In der Hand meine geliebte Dorothy laufe ich durch ein menschenleeres Cala Ratjada zur Strandpromenade um dort auf den Sonnenaufgang zu warten. Mein erster Sonnenaufgang über dem Mittelmeer. Und weil mir gerade so großmütig zumute ist, vergebe ich dem kleinen dicken roten Kater. Der will halt auch nur sein Deckelchen finden. Denn hätte der kleine dicke Kater nicht seiner Herzenskätzin ein Liebeslied gesungen dann wäre dieser wunderbare Sonnenaufgang an mir vorbei gegangen.

Sonnenaufgang auf Mallorca

Sonnenaufgang auf Mallorca

Fazit? Ich werde noch mal nach Mallorca fahren. Und mit Frau Rabe Urlaub machen, irgendwo mit Bergen und Meer. Manchmal muß man einfach machen, auch wenn man Schiß davor hat daß es in die Hose gehen könnte. Oder gerade dann? Es ist schön einen Cookie zu haben der mich ziehen läßt. Und es ist schön eine Frau Rabe zu haben die mit mir fährt. Ein ganz wunderbares erstes Mal … auf Mallorca. Und ein erstes Mal für Fees Mitmachaktion #FürmehrersteMale.

In diesem Sinne: Mach es gut, Du schöne Mittelmeerinsel. Und bis ganz bald!

Sonnenaufgang auf Mallorca

9 Gedanken zu „Frau Mirtanas erstes Mal … auf Mallorca.“

    1. Liebe Fee,

      vielen Dank für das Kompliment, da freue ich mich gerade sehr drüber!

      Mallorca ist auch zum Verlieben – wenn man erst mal an den Sauftouristen vorbei ist 😉

      Liebe Grüße,
      Mirtana

    1. In der Tat einfach schön. Warte gerade voller Spannung darauf, daß die Filme aus der Entwicklung zurück kommen. Allerdings würde ich persönlich wohl nicht im Sommer zur Hochsaison fahren, das wäre mir zu heiß und zu voll.

      Liebe Grüße,
      Mirtana

  1. Der Urlaub war so schön, dass ich auf der Rückfahrt zum Flughafen im Bus nur geheult habe… und im Flieger dann auch. Tss!

  2. danke für´s verlinken. das seh ich ja jetzt erst. mallorca hat mein herz erobert. beim ersten mal ein bisschen, im letzten november dann komplett. ich möchte gerne noch mehr sehen. mehr berge, mehr meer, mehr dörfer … und gerne wieder im november, wenn es hier usselig wird und dort noch die sonne scheint …
    schöne fotos hast du gemacht. und gut, dass du geflogen bist!

    1. Vielen Dank für das Kompliment. Geht mir genauso, ich möchte unbedingt noch mehr von der Insel sehen! Nächstes Mal werde ich auch nicht unbedingt in den Osterferien fliegen, allerdings war das Sonne tanken nach dem langen, grauen Winter echt richtig von Nöten.

      Und gerne, Deine Posts über Mallorca haben meine Vorfreude auf den Urlaub gesteigert. Danke dafür! <3

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