Mr. Wood und die Westruper Heide

Im Moment hänge ich bis Oberkante Unterlippe erkältet zu Hause herum und ziehe das dabei übliche Programm, welches immer im Falle von „Oh, ich habe tödliche Männergrippe!“ greift, volle Lotte durch. Also widerlich schmeckenden Erkältungstee, massiver Verbrauch von Taschentüchern, Hühnersuppe schlürfen, viel herum liegen und schlafen und darauf warten, daß meine Stimme vielleicht in absehbarer Zukunft den Weg zurück an ihren angestammten Platz findet. Bis der Punkt kommt an dem ich nicht mehr sinnlos herum liegen mag und mich aus dem Bett quäle. Abgesehen davon kann ich auch nicht schlafen wenn der Handtaschenhund nebenan zwei Stunden lang meine Gehörgänge mit seinem Kläffen quält. Ehrlich, warum bin eigentlich ich die Heisere hier? Die Welt wäre ein ruhigerer Ort wenn Handtaschenhunde nach zwei Minuten Gekläffe Halsschmerzen bekämen …

Wenn ich schon mal sinnlos zu Hause herum hänge kann ich was nützliches tun. Zum Beispiel endlich wieder eine Sicherung meiner umfangreichen Bildverzeichnisse laufen lasse. Oder gar Bilder bearbeiten, die teilweise schon seit Wochen darauf warten, daß ich Hand an sie lege. Ich fotografiere schließlich seit einiger Zeit wieder. Also zumindest, wenn ich nicht krank im Bett, wahlweise auch auf der Couch, herumliege und auf mein baldiges Ende warte.

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Wenn ich mir dieses Jahr so von der fotografischen Ausbeute anschaue, dann ist das Ergebnis mehr als nur mager. Generell eine sehr magere Phase, was mein kreatives Gedöhns betrifft. Teilweise hatte ich über Wochen keine Kamera in der Hand. Oder Strickzeug. Oder die Tastatur unter den Fingern für Blogbeiträge. Da war so irgendwie die Luft raus. Kennt Ihr diese Phasen? Wenn die Ideen ausbleiben und die Hobbies auf einmal nur noch so das Gefühl von „Ähm, nööö. Eher nicht so?“ auslösen.

Zum Glück gehen diese Phasen früher oder später wieder vorbei. Dann kommt auch der Spaß wieder zurück, kreative Dinge zu tun. Oder manchmal einfach schräge Dinge.

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Das hier ist Mr. Wood, Zeichenpuppe aus Holz. Mein neuer Begleiter. Also so rein platonisch und kreativ. Mr. Wood begleitet mich neuerdings auf meine Foto-Ausflüge. Wie zum Beispiel vor ein paar Tagen in die Westruper Heide. Mr. Wood ist ein umgänglicher und freundlicher Zeitgenosse, auch wenn er noch nicht gemerkt hat daß man mit einer Hamburg-Karte nicht zur Westruper Heide navigieren kann.

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Dahin zu gelangen ist von mir aus nämlich ziemlich simpel. Einfach auf die 224 Richtung Dorsten und dann immer geradeaus fahren. Da brauche ich weder ein Navi oder eine von Mr. Wood falsch interpretierte Karte. Einfach geradeaus und dann kommt man automatisch zum Wanderparkplatz an der Westruper Heide. Ich fahre gerne hoch nach Haltern wenn ich in Ruhe spazieren gehen will.

Ich mag diesen Flecken Natur. Seen, Wald und Heide auf engem Raum. Gerade jetzt im Herbst ist es dort wunderschön, erst recht wenn nach Sonnenuntergang der Nebel langsam hoch steigt. Nebel geht immer. Auch wenn ich es nicht so wirklich auf dem Kasten habe, den Nebel mit der Kamera einzufangen … Mr. Wood schien dennoch viel Spaß gehabt zu haben bei seinem ersten Einsatz vor meinem Knipskasten.

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Man muß schon gut auf Mr. Wood aufpassen, der hat nix als Flausen im Kopf. Kaum dreht man sich mal eben um, dann isser auch schon weg. Um Bäume zu umarmen. Oder staunend die Vegetation zu betrachten.

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Neugierig ist er, dieser Mr. Wood. Allerdings waren wir nicht die Einzigen, die sich die Westruper Heide als Fotospielplatz erkoren haben an diesem Nachmittag. Da kamen wir nichtsahnend auf dem Pfad durch die Wacholderbüsche auf eine versteckte Lichtung und sahen uns mit einer jungen Dame konfrontiert, die außer einem sehr dünnen Schlüpper und einer abgeranzten Lederjacke nicht viel anhatte. Dafür war die Fotografin wenigstens warm angezogen … Mr. Wood wäre gerne noch geblieben und hätte sich erklären lassen, was da so vor sich geht. Ich hingegen war eher weniger für diesen Plan. Statt anderen Frauen mit Knipskästen im Wege zu stehen habe ich Mr. Wood freundlich aber bestimmt in die Tasche gesteckt und bin weiter gegangen.

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Da fühlt er sich ganz wohl. Man hat von so einer Brusttasche aus ja schließlich eine bessere Aussicht auf die Westruper Heide als wenn man gerade mal eben so zwölf Zentimeter über den Boden ragt.

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Allerdings wird es um diese Uhrzeit sehr schnell empfindlich kühl wenn die Sonne untergegangen ist. Man kann natürlich versuchen sich an einem Tannenzapfen zu wärmen, doch ich stelle mal die freche Behauptung in den Raum, daß ein heißer Tee und ein Stück leckerer Kuchen diese Aufgabe wesentlich besser zu erfüllen mag.

Zum Glück ist Mr. Wood sehr einsichtig. Gut, und zu klein um mir wirklich großartig Widerstand entgegen setzen zu können wenn ich beschließe daß es jetzt wieder nach Hause geht.

Einer der ersten Ausflüge auf die mich Mr. Wood begleiten durfte. Der Gute ist schon ganz wild auf weitere Entdeckungstouren und hofft, genauso wie ich, daß dieser verdammte Erkältungsmist so schnell wie möglich wieder Geschichte ist. Krank auf der Couch herum hängen macht ja nun nicht so viel Spaß wie mit der Kamera vor der Nase durch die Welt zu turnen. Schließlich muß ich ja bald mal mein neues Objektiv ausprobieren. Aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Tag.

8 Gedanken zu „Mr. Wood und die Westruper Heide“

    1. Liebe Kirsten,

      ja, die Westruper Heide ist ein tolles Eckchen 🙂

      Mr. Wood und ich hoffen auf trockenes Wetter am Wochenende für den nächsten Ausflug.

      LG Mirtana

  1. Schöne Idee mit Mr Wood. Da sind wirklich schöne Bilder bei herungekommen!!!

    Ich wünsche dir eine gute schnelle Besserung!!!

    Liebe Grüße
    Judith

    1. Liebe Judith,

      vielen Dank für Dein liebes Kompliment. Und ich bin auf dem Weg der Besserung, lediglich meine Stimme möchte partout nicht zu mir zurück kehren.

      LG Mirtana

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