#Schreibzeit – Gedanken zum Bloggen

Schon Anfang des vergangenen Jahres bin ich über die #Schreibzeit gestolpert, die Bine von was eigenes auf ihrem Blog ins Leben gerufen hat. Eine interessante Aktion, die sie auch in 2016 weiter führt. Das aktuelle Thema lautet: „Gedanken zum Bloggen“. Nun, Gedanken zum Thema Bloggen kurven ständig durch mein Hirn. Ich hänge an diesem Hobby, das mich schon so lange Zeit begleitet.

Am Anfang war es Therapie.

Ursprünglich habe ich den Blog dazu genutzt, um Gedanken und Erlebnisse einfach nieder zu schreiben und sie mittels des Internets auf die große weite Welt los zu lassen. Ich hätte nie gedacht was sich daraus alles entwickeln würde. Und welches Echo meine, doch meist recht düsteren, Gedanken zu mir zurück werfen würden. Mittlerweile betreibe ich dieses Blog lange genug um Folgendes gelernt zu haben: Egal, wie bekloppt Du auch sein magst – da draußen gibt es noch mehr von Deiner Sorte.

Das war (und ist es immer noch) eine der wertvollsten Erkenntnisse, die mir dieses Bloggen eingebracht hat. Ich hatte und habe immer das Gefühl, nicht so richtig irgendwohin zu gehören. Das ist ein sehr diffuses Gefühl, das sich schlecht in Worte fassen läßt. Sehr häufig bin ich der kleine graue Punkt inmitten all der bunten Punkte und wenn mir danach ist, dann bin ich nicht mehr nur grau sondern pechschwarz. Schlimmer noch, ich wäre ebenfalls gerne ein kleiner bunter Punkt, habe aber keine Ahnung wie man etwas anderes ist als grau. Es ist okay, grau zu sein so lange man nicht krampfhaft versucht bunt zu werden. Ich hab das versucht und bin daran gescheitert, meine Stärke liegt offensichtlich nicht darin, bunt zu sein. Dafür gibt es da draußen andere Menschen, die genauso wenig in Schubladen und Schema F passen. Noch mehr graue Punkte eben.

Das Blog hat mir über schwere Zeiten und Sinneskrisen hinweg geholfen. Es hat etwas ungemein Tröstliches einen schweren Gedanken auf mein Blog zu werfen und dabei zusehen zu können welche Kreise er zieht. Ähnlich einem Stein, den man ins Wasser wirft. Es kam und kommt immer wieder etwas zurück. Es erstaunt mich auch heute noch wenn Menschen sich Zeit nehmen um mir in den Kommentaren von eigenen Erfahrungen und Gedanken zu erzählen. Das macht mich zutiefst dankbar, diese Zeilen und Worte geschenkt zu bekommen.

Die ersten Jahre war das Bloggen meine Therapie. Ja, im Nachhinein betrachtet kann ich das wirklich so sagen. Es hat mich aus der Düsternis befreit, die ich ständig um mich trug wie einen alten Mantel. Und es hat mir wunderbare, lustige, schräge und bemerkenswerte Begegnungen beschert. Heute schreibe ich nicht mehr um mich zu therapieren. Heute schreibe ich nur noch, weil ich Spaß daran habe. Nur der Name, der ist geblieben und ist die letzte Erinnerung an diese Düsternis.

Das Blog ist meine Spielwiese.

Hier kann ich mich austoben. Ich kann Dinge ausprobieren und sie relativ gefahrlos wieder verwerfen wenn ich fest stelle daß ich da kein Talent für habe. Tutorials schreiben zum Beispiel. Das ist mal so gar nicht meins. Nicht mal ein bißchen. Ich werkel gerne vor mich hin und vermutlich wird das Blog die nächste Zeit ein bißchen bastellastiger, aber Tutorials schreiben? Nope. Strickanleitungen, die kann ich hingegen.

Ich kann Bilder zeigen, ich kann von Ausflügen und Alltag erzählen. Ich kann mich selber auf die Schippe nehmen, ich kann laut nachdenken und manchmal auch rotzig sein. Ich kann mein Layout umstellen wenn ich Bock darauf habe, ich kann dem Blog auch mal den Rücken kehren, ich kann schreiben worüber ich Lust und Laune habe ohne mir von irgendjemandem Themen diktieren zu lassen. Hier bin ich mein eigener Chef.

Genauso soll es auch bleiben. Ich entscheide wann, was, wo und warum. Und wieviel davon. Und überhaupt. Chef sein ohne Steuern dafür zahlen zu müssen. Und alle so „Yeah!“

Blogs sind doch voll Web 1.0! Oder?

Im Jahre 2007 oder so, als Twitter so richtig einschlug und abging wie Schmitz Katze, da riefen die Unkenrufer schon den Tod des Bloggens herbei. Als Facebook populär wurde hatte das Bloggen schon wieder das Damoklesschwert des herannahenden Todes über sich schweben. Spätestens im Jahr 2012, als die ganze Welt anfing zu Instagrammen, das mußte doch wohl endlich mal der Todestoß für die Bloggerei sein. Oder?

Blogs leben indes munter weiter. Menschen fangen immer noch Blogs an und Menschen stampfen ihre Blogs wieder ein weil sie keinen Bock mehr auf das Hobby haben. So ist das Leben. Man kann seinen Blog ganz wunderbar um Twitter und Facebook und Instagram und weiß der Geier für Social Media Gedöhns erweitern wenn man Bock drauf hat. Oder man läßt es einfach. Man muß auch nicht jedem Trend hinter her hecheln, man kann einfach sein Ding machen.

Das Bloggen hat sich verändert.

Ja, hat es. Wie alles sich eben verändert. Vor gut zwölf Jahren, als noch keine Sau wußte was man damit meinte wenn man sagte „Ich hab nen Blog!“ da war die Szene nicht nur kleiner und übersichtlicher, sondern auch irgendwie gefühlt ungezwungener. So viele haben ihre Blogs geschrieben um zu erzählen, zu schreiben, zu kommunizieren und nicht nur um Mehrwert ins weltweite Internet zu pusten. Einfach machen und Spaß damit haben. Heute kommen mir die Ratschläge, wie ich Mehrwert für mehr Klicks und Follower in meinem Content unterbringe, schon wieder zu den Ohren raus. Gefühlt kann man in der Bloggerwelt keine zwei Schritte machen ohne über Blogs zu stolpern die mir erklären wie „man richtig bloggt“. Und allenthalben kommt mir immer mal wieder der „Blog-Burnout“ unter und ich lese von Bloggern, die mit dem selbstauferlegten Druck nicht mehr klar kommen. Woher auch immer der kommen mag, ich finde diese Bezeichnung nach wie vor ein bißchen neben der Spur.

Viele Blogs erinnern mich mittlerweile mehr an Hochglanz-Magazine, die auf allen Hochzeiten tanzen wollen und auf allen Kanälen unterwegs sind. Ich persönlich bin manchmal durch die vielen Kanäle echt dezent überfordert. Weil ich mir einfach keine drölfzig Namen auf drölfzig Kanälen merken kann. Das fand ich in Zeiten, als Blogs noch der neue heiße Scheiß waren, echt entspannender: nur den Feedreader aktualisieren und gelutscht war der Drops, man war wieder auf dem Laufenden.

Vielleicht werde ich auch einfach zu alt für all den neuen heißen Scheiß. Immerhin marschiere ich mit großen Schritten auf die vierzig zu, bin also kurz vor der Halbwertszeit. Vielleicht ist es das auch einfach nicht mehr meine Szene, wer weiß das schon? Oder ich habe gar keine Szene mehr weil die Szene, in der ich mit diesem Hobby angefangen habe, schon lange weg gebröckelt ist?

Bloggen ist definitiv kreativ.

Ist es. Blogger bieten ihren Lesern heute wesentlich mehr als nur Texte wie früher. Anregungen und Ideen, Rezepte und Erfahrungen, Fotos, Geschichten und Meinungen. Ich finde es immer wieder erstaunlich mit wie viel Herzblut viele Blogger ihre Blogs gestalten. Angefangen von Fotos, deren Qualität sich hinter denen in Zeitschriften nicht verstecken muß, bis hin zu qualitativ hochwertigen Texten. Und sie machen all das kostenlos für Ihre Leser. Fotos erstellen, Text schreiben, editieren, lektorieren, Fotos einbinden und dann die Beiträge auf Social Media streuen. All das kostet ja nun auch nicht wenig Zeit.

Gut, und es gibt bezahlte Werbeposts … Ich muß die ja nicht lesen und ich muß die Links auch nicht anklicken. In meinem Feedreader befinden sich Blogs, die ab und an mal klar gekennzeichnet Werbeposts bringen, dann ist das eben so. Wie gesagt, ich muß das nicht lesen. Ich kaufe ja auch keine der einschlägigen Zeitschriften, in denen mehr Werbe-Anzeigen als Anleitungen oder Artikel zu finden sind.

Die Bloggerszene ist immer noch bunt und hat ein Eckchen für jeden noch so schrägen Vogel. Blogger machen das Internet bunter, vielfältiger, interessanter und abwechslungsreicher, wir sollten also um jeden Blogger dankbar sein. Ganz egal ob er geilen DiY-Mehrwert-Content bringt, über Politik schreibt, Tagebuchblogger ist oder aber Katzenbilder und Strickzeug bloggt. Blogs machen das Internet reicher, bevor es am Ende nur noch aus Facebook und Konsorten besteht. Das ist doch das Tolle am Internet, hier kann jeder mit seinem Blog machen was er möchte und ich kann mich entscheiden ob ich dem Blog folge oder nicht. Einfache Kiste das.

Too long; didn’t read.

In Kurz: macht Euer Ding und laßt Euch von niemandem erzählen wie „es richtig geht“. Macht es mit Leidenschaft und Herzblut und Spaß, begegnet anderen Bloggern auf Augenhöhe, teilt Eure Begeisterung, wachst an und mit Euren Blogs, sucht und findet Eure Ecke in diesem riesigen Internet. Bloggen ist nicht tot zu kriegen, denn Totgesagte leben schließlich länger.

In dem Sinne: blog away!

8 Gedanken zu „#Schreibzeit – Gedanken zum Bloggen“

  1. Danke für das fette Grinsen am Morgen. „Too long; didn’t read.“ sollte ich demnächst vielleicht auch anfügen, wenn es mal wieder länger dauert ;o) Im Großen und Ganzen kann ich dir aber nur zustimmen. Man sollte immer sein Ding machen und Spaß dran haben. So halte ich das bei mir mit dem Bloggen auch. Und wenn ich durch das Bloggen dann so tolle Blogs wie deinen finde und tolle Menschen, wie z.B. die Blogowskis kennen lerne, dann ist das Mehrwert genug :o)

    Liebe Grüße, Carmen

    1. Hi Carmen,

      das habe ich mir nach Veröffentlichen auch überlegt – unter die mega langen Posts, die ich ab und an aufs Blog werfe, einfach ein tl,dr einzufügen 😀 Ich habe übrigens ewig gebraucht um heraus zu bekommen was sich hinter dieser Abkürzung versteckt.

      Dann haben wir ja zum Glück den gleichen Mehrwert! Sehen wir uns im Januar?

      Liebe Grüße,
      Mirtana

  2. Ein schöner Beitrag zur Schreibzeit, und ich finde, du hast absolut Recht. Es ist genug Platz für alle da. Jeder sollte seinen Blog schreiben, wie er lustig ist und jeder kann lesen, was interessiert. Eigentlich eine ganz einfache Kiste. Für mich ist immer wichtig im Auge zu behalten, dass ich Spaß am Bloggen habe und das soll auch so bleiben!
    Liebe Grüße, Kirsten

    1. Liebe Kirsten,

      vielen Dank für Dein Kompliment. Und Du hast recht, es ist immer wichtig im Auge zu behalten daß man noch Spaß an der Sache hat. Nicht nur beim Bloggen, sondern bei allem was man so tut. Auch wenn das nicht immer möglich ist, gerade beruflich ist es mir mittlerweile immens wichtig, daß ich Freude an dem habe was ich tue.

      Zum Glück ist Hobby eben Hobby, da ist es nicht so gravierend wenn ich mal was verbocke 😉

      Liebe Grüße,
      Mirtana

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