Zu Besuch auf Achterbahn: Tiger & Turtle

Der Plan sah das klassische amerikanische Date vor: Dinner and a Movie. Eigentlich auch in dieser Reihenfolge. Nun haben Pläne in meiner Realität keine lange Lebensdauer. Deren Mindesthaltbarkeitsdatum kollidiert einfach mit dem verdrehten Humor, mit dem das Leben mir sonst schon mal schwungvoll in die Füße grätscht. War ja eigentlich auch viel zu warm für Kino. Und laufen tut gerade sowieso nichts Gescheites. Zumindest nichts, was in der Schnittmenge von Kino-Interesse meiner Freundin und mir zu einem Film geführt hätte, auf den wir uns hätten einigen können.

Was macht man jetzt mit einem Abend, den man eigentlich für ein leckeres Auswärts-Essen und einen Kinofilm verplant hat? Wieder doof auf der Couch herum sitzen? Macht nur bedingt Spaß. Also mußte ein Alternativplan zum klassischen amerikanischen Date her. Da wir hier ja nicht mitten in der Pampa wohnen wo mit Einbruch der Dunkelheit die Bürgersteige hoch geklappt werden sondern im schönen Ruhrpott und das Wetter ganz hervorragendes Cabrio-Wetter bot stand die Alternative sehr schnell fest: wir fahren Duisburg, Tiger & Turtle. Und danach lecker Tapas essen. Ja woll, ja. Bevor einer fragt, ich habe mal so etwas wie Satzbau gelernt und weiß, daß der Satz “wir fahren Duisburg” grammatikalisch nicht ganz korrekt ist … Und?

Tiger and Turtle

Also habe ich die von mir überredete Freundin mit meinem kleinen blauen Auto am späten Nachmittag eingesammelt und wie das mit dem Leben so ist hat es immer und in jeder Lage Lektionen parat. Gibt einfach Dinge, die man beachten sollte wenn man so ohne Dach unterwegs ist. Wie zum Beispiel eine Sonnenbrille aufzusetzen. Hilft ungemein gegen das fiese Geblende der doch schon ein wenig tiefer stehenden Sonne. Auch wenn man auf dem Beifahrersitz hockt. Nebenbei bekommt man dann nicht das fliegende Viehzeug in die Augen, das kann sehr unangenehm werden. Bei langen Haaren empfiehlt sich ein Haargummi. Oder irgendwas anderes, mit dem man die Haare daran hindern kann bei 120 Sachen wild und ungezügelt durch die Gegend zu fliegen. In Film macht das immer den total coolen Eindruck, in der Realität sieht man zum einen danach aus als trüge man ein ramponiertes Vogelnest auf dem Kopp und zum anderen gibt das ein elendiges Geziepe wenn man das ramponierte Vogelnest wieder ausbürsten möchte. Zu guter Letzt sollte man den Fahrtwind nicht unterschätzen und den Nacken mit einer Jacke oder einem Schal oder irgendwas schützen. Gibt sonst steifen Hals wenn man Pech hat.

Tiger and Turtle

So, wißt Ihr das auch mal. Cabrio fahren ist halt nicht nur cooles Zuckerschlecken. Bildungsauftrag für heute erfüllt. Wo war ich? Richtig, Freundin und ich fuhren Richtung Duisburg. Da hatten ein paar Künstler die schräg-geniale Idee, eine Achterbahn zum drauf herum laufen auf eine Halde zu dübeln. Damit man nicht einfach nur so auf der Halde herum steht sondern auch noch was Spannendes machen kann. Coole Idee, so eigentlich.

Gefunden haben wir sie auch, die Halde. Immerhin eine Erhebung mitten in der Landschaft, man sollte meinen man kann das nicht übersehen. Interessant auch der Konflikt zwischen Navigationsgerät und Beschilderung … Das Navi sagt rechts und die Schilder sagen links? Kann man mal machen.

Auto schön geparkt, immerhin kann ich parken, und los gestiefelt. Zum Glück ist das eine kleine Halde, man ist da fix oben. Und was macht man da oben wenn man noch ein wenig warten muß bis die Sonne untergeht? In die Gegend gucken, Aussicht genießen? Die Freundin und ich entscheiden uns für das, was wir gut können: Spökes machen, lautstark lachen und uns nicht darum scheren was man von uns halten könnte …

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Die gefühlten drölfzighundert bescheuerten Selfies lassen wir hier mal unter den Tisch fallen. Ich werde vermutlich noch sehr lange brauchen bis ich mit einem Handy ein gescheites Foto von meinem Konterfei auf die Kette kriege. Nun gut, so lange wir damit Spaß hatten uns selber mit bescheuerten Gesichtsausdrücken zu fotografieren und lustig in der Gegend herum zu stehen ist meine Welt ganz dezent in Ordnung.

Tiger & Turtle

Nun haben wir aber nicht nur da unten herum gealbert, ich steige doch nicht auf eine Halde auf die jemand Findiges eine begehbare Achterbahn gedübelt hat um mir das Dingen von unten anzuschauen. Also rauf auf das Konstrukt, pardon, Tiger & Turtle. Nach zehn Stufen ist meine Freundin dann ganz fix wieder runter von dem Ding. Das sieht nicht nur filigran aus, das bewegt sich auch wenn da Leute drauf herum laufen. Ist nicht jedermanns Sache. Also bin ich alleine mit meiner Kamera über die Achterbahn geturnt.

Ich hab zu meinem Glück keine Angst vor Höhe, mehr so im Gegenteil. Das Teil kann echt was! Nicht nur, weil man echt einen super Ausblick hat bei tollem Wetter, sondern weil es sich auch bei jedem Schritt anders präsentiert. Auch wenn ich mich da oben zwei Dinge gefragt habe … Zum einen: was sollen die nervigen Liebesschlösser da oben? Zum anderen: Sind die Bescheuerten echt durch den (gesperrten) Looping geklettert um die Dinger da fest zu machen?

Rein theoretisch hätte ich mit auch wissen können was mein Auge gerade da am Horizont erblickt, es gibt eine Tafel auf der einem das freundlicherweise erklärt wird. Die steht dooferweise nur am Boden und alles, was ich oben noch sicher ausmachen konnte war der Fernsehturm in Düsseldorf. Ja, echt. Man sieht da oben den Fernsehturm von Düsseldorf.

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An dem Samstag habe ich nicht nur zum zweiten Mal seit Monaten mal wieder meine digitale Kamera in die Hand genommen sondern auch mein neues Spielzeug mit geschleppt. Das neue Spielzeug ist 1,3 Kilogramm schwer. Kann man zur Not  einen mit in die Flucht schlagen der nix Gutes im Schilde führt. Oder man spielt damit.

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Ja, ich in so ein Lemming, ich habe jetzt ebenfalls eine Glaskugel für mehr oder minder komische Fotos, in denen irgendwas auf dem Kopf steht … Laßt mich, ich hab Spaß. Und sei es nur dabei zu schauen zu können wie meine Freundin versucht 1,3 Kilogramm am langen Arm still zu halten damit das Foto nicht verwackelt.

Zu guter Letzt können wir noch ein wenig Industrie-Romantik. Bei uns spucken die Schornsteine offensichtlich schon mal die Sonne aus.

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Das hat auch irgendwie mehr Style als die Versuche ein einigermaßen gescheites Selfie zu machen auf dem man die Spiegelung in der eigenen Sonnenbrille nachher auf dem Bild sieht. Ohne das Kinn zum fotografischen Monster unter den Doppelkinnen zu machen. Man muß dabei auch ziemlich bescheuert aussehen wenn man sich da mit Handy und Frontkamera abmüht … Oder nur ich sehe total bescheuert dabei aus wenn ich Selfies mache, das kann natürlich auch sein. Wie auch immer, die Situation animierte meine Begleitung zu haltlosem Gekicher.

War ein echt schöner Tag mit viel Spaß inne Backen, lautem Gelächter und echt guten Tapas am Ende des Tages. Und wenn Ihr mal in Duisburg seid, schaut Euch die begehbare Achterbahn mit dem witzigen Namen Tiger & Turtle unbedingt mal an. Die ist auch von unten echt schön!

Herzlichen Dank an meine Begleitung für den schönen und lustigen Tag. Wo blamieren wir uns als Nächstes? 😉

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6 Gedanken zu „Zu Besuch auf Achterbahn: Tiger & Turtle“

    1. Danke schön <3

      Glücklicherweise kann ich manchmal locker sehr bescheuert aussehende Dinge tun ohne mich darum zu scheren ob sich andere darüber ... sagen wir, wundern. Wir hatten Spaß, das ist doch die Hauptsache 😉

      Liebe Grüße,
      Mirtana

    1. Wenn Du schwindelfrei bist können wir das gerne machen. Wie ich bereits schrieb, das Ding ist nicht ohne 🙂

      Wann ist denn nächstes Mal? <3

  1. Geile Fotos, schöne Perspektiven hast Du da ge- und erfunden. Aber das Ding da mitten in der Landschaft finde ich ein wenig skurril. Sowas gibt es in unserer Gegend nicht.

    Sagt der Schirrmi mit einem vergessenen Haargummi spielt 🙂

    Liebe Grüße,
    Schirrmi

    1. Stimmt, es ist in der Tat schon ziemlich skurril eine begehbare Achterbahn auf eine Halde zu bauen. Die sind halt so, hier im Ruhrpott. Die mögen skurril. Einer der Gründe, warum ich so gerne hier lebe 🙂

      Und das Haargummi bitte am Eingang abgeben. Danke! 😉

      Liebe Grüße,
      Mirtana

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