Abenteuer für Anfänger: Reisen mit der Bahn

Und so begab es sich, daß ich für das vergangene Wochenende einen schönen Termin im Kalender stehen hatte: Besuch bei Cousin Braunschweig und seiner Familie. Nun ist Braunschweig von mir aus mit dem Auto recht einfach zu erreichen: Ich fahre in Gladbeck auf die A2 und nach knapp dreihundert Kilometern in Braunschweig wieder runter. Die Einfachheit hat nur einen Haken: Ich bin kein Freund davon, stundenlang auf der Autobahn herumzufahren. Darauf habe ich meistens so viel Lust wie auf Weisheitszähneziehen ohne Betäubung.

Gibt Menschen, die finden Autobahnfahren entspannend. Ich nicht. Mich strengt das an. Stundenlang Rücklichter angucken, LKW überholen, die sich kilometerlang gegenseitig überholen, Mittelspurschleicher verfluchen und regelmäßig beim Blick in den Rückspiegel die Nasenhaare meines Hintermannes, der glaubt, Sicherheitsabstand sei etwas für Weicheier, zählen zu können, während ich mich frage, ob ich ihm vielleicht einen Tee zur Entspannung durch die Heckklappe reichen soll. Autobahn entspannt mich höchstens dann, wenn ich auf dem Beifahrersitz herumlümmeln kann und nicht permanent hochkonzentriert auf die Straße gucken muß, damit ich nicht versehentlich von einem SUV-Piloten zu waghalsigen Bremsmanövern gezwungen oder von einem LKW von der Spur gefegt werde.

Also dachte ich mir, ich erspare mir das anstrengende Selberfahren und lasse mich stattdessen fahren. Bei den aktuellen Spritpreisen war die Deutsche Bahn tatsächlich die günstigere Variante, so finanztechnisch gesehen, das kam als Bonus noch obendrauf. Denn ich fahre gerne Bahn. Das Konzept, einfach einzusteigen und mich dann um nichts kümmern zu müssen, finde ich nach wie vor großartig. Ich kann lesen, stricken, sinnierend aus dem Fenster in die Landschaft starren, es gibt eine Toilette an Bord statt Rätselraten, wann der nächste Rastplatz kommt, zur Not kriege ich im Bordrestaurant etwas zu essen und habe nebenbei das angenehme Gefühl, daß mir nicht jeder nach dem Leben trachtet und versucht, meine Reise mit waghalsigen Überholmanövern zu beenden.

Nach kurzer Rücksprache mit Cousin Braunschweig, ob man mich vom Bahnhof abholen könne, buchte ich kurzerhand meine Hin- und Rückfahrt. Um möglichst wenig umsteigen zu müssen, entschloß ich mich, bis Wuppertal mit der S-Bahn und von dort mit dem IC bis nach Braunschweig zu reisen. Denn wie der erfahrene Bahnreisende weiß: Je weniger Umstiege, desto größer die Chance, am Zielort anzukommen.

Tja. Das war eine wirklich niedliche Idee von mir. Denn Freitag morgens fragte mich Cookie, wann denn mein Zug ginge. Um die Frage des mir Angetrauten, der mich freundlicherweise zum Bahnhof Gladbeck West bringen würde, möglichst korrekt zu beantworten, warf ich einen Blick in die DB-App, und danach fiel mir erst mal meine Fassung mit einem lauten Knall zu Boden. „Verbindung nicht mehr fahrbar“ leuchtete mir in roten Buchstaben drohend entgegen. Weil die Bahn beschlossen hatte, die IC-Strecke mal zu sperren, so ab Hagen. Für das Wochenende. Warum auch immer, das stand da nicht. Immerhin, wenn der ursprünglich gebuchte Zug ausfällt, entfällt auch die Zugbindung. Ich kann also mit jedem Zug fahren, solange ich, wenn auch über Umwege, das eigentlich gebuchte Ziel ansteuere.

Zu meinem Glück bin ich nicht nur flexibel, zumindest geistig, sondern auch ziemlich firm darin, ad hoc Alternativen zu meiner ursprünglichen Reiseroute zu finden. Statt also von Gladbeck West abzufahren, habe ich Essen gewählt. Wo zwar irgendwie nix nach Hannover fahren wollte, dafür kam ich von dort aus pünktlich nach Wuppertal, um einen ICE nach Hannover zu erwischen. Mit viel Glück reservierte ich einen der letzten freien Sitzplätze in besagtem ICE, während Cookie mich mitsamt meinen Plörren nach Essen kutschierte. Guten Mutes bestieg ich in Essen die Bummelbahn nach Wuppertal, die pünktlich kam, und kaum saß ich, informierte mich die DB-App, daß auch meine Alternative nicht mehr fahrbar sei. Wie jetzt? Verwirrt starrte ich auf meinen Reiseplan, der ICE nach Hannover fuhr doch nach wie vor?

In Wuppertal angelangt noch einmal die große Abfahrtstafel studiert, und da stand: „ICE Berlin, Abfahrt 13:15 – voraussichtlich zehn Minuten Verspätung.“ Gut, dann nehme ich den doch auch bis Hannover. Von da aus werde ich schon irgendwie weiterkommen nach Braunschweig. Während ich so in Wuppertal am Bahnsteig herumstand, ertönte aus den Lautsprechern in einer Tour: „Zug X verspätet, Zug Y fällt aus, Zug Z heute abweichend auf Gleis 1.“ Mir tat der arme Mann ja schon ein wenig leid, den ganzen Tag ohne Unterbrechung Hiobsbotschaften ansagen zu müssen, das kann doch nicht gesund sein für die Stimmbänder.

Immerhin, irgendwann tauchte ein ICE mit der richtigen Beschriftung auf, ich stieg ein, suchte meinen reservierten Sitzplatz, vertrieb einen mürrisch dreinblickenden Herren, der offenbar beleidigt war, weil ich so dreist war, tatsächlich Geld für eine Sitzplatzreservierung ausgegeben zu haben, und machte es mir gemütlich. Hannover, ich komme!

Nun. Nach Hagen Hbf standen wir ein paar Minuten später erneut in einem Bahnhof. Da ich mir sehr sicher bin, daß Hagen und Bielefeld, der nächste planmäßige Halt, mehr als nur ein paar Minuten mit der Bahn auseinanderliegen, war ich doch ein wenig irritiert. „Sehr geehrte Damen und Herren, wie Sie sehen, stehen wir aktuell in einem Bahnhof. Wie Sie sicher bemerkt haben werden, handelt es sich dabei nicht um den Hauptbahnhof der Stadt, die es nicht gibt. Wir machen heute einen ungeplanten Zwischenstop in Dortmund. Aufgrund eines Notarzteinsatzes auf unserer Strecke werden wir umgeleitet, dadurch verzögert sich unsere Weiterfahrt und wir werden Bielefeld mit weiteren zwanzig Minuten Verspätung erreichen.“ Immerhin, Humor hat das Personal bei der Bahn. Währenddessen drehte meine DB-App munter durch, ich Depp hatte vergessen, die Benachrichtigungen auszuschalten. Spoiler: am Ende bekam ich siebenunddreißig E-Mails mit Informationen über Verspätung und Ausfälle meiner Reiserouten. Sie-ben-und-drei-ßig.

Mit fünfunddreißig Minuten Gesamtverspätung soll ich Hannover erreichen und versuche kurz vorher herauszufinden, wie ich jetzt von dort ans Ziel komme. Offenbar scheint zwischen der Landeshauptstadt von Niedersachsen und der Löwenstadt Braunschweig der Bär auf den Gleisen zu toben, die DB-App informiert mich freundlich, daß von den nächsten fünf möglichen Verbindungen gleich vier (!) ausfallen. Aha. Prickelnd. Wobei, bei aller Schelte, man muß es dieser App lassen: Die updatet mich fast sekundengenau darüber, um wie viele Minuten ich aktuell verspätet bin und daß ich voraussichtlich um 15:52 Uhr in Hannover ankommen werde. Und dann habe ich drei Minuten, um mich in die einzige Bahn, die in den nächsten zwei Stunden nach Braunschweig fährt, zu verfrachten. Sportlich. Zu meinem Glück fährt die am Gleis gegenüber, ich muß mich also nur durch entnervte Menschenmassen einmal über den Bahnsteig quetschen.

Aber die Bahn meint es gut mit mir, die Regionalbahn kommt gleich mal zwanzig Minuten zu spät. In diesen zwanzig Minuten habe ich ein Déjà-vu, auch hier redet sich der Mensch mit den Lautsprecherdurchsagen Fransen an die Stimmbänder mit Verspätung, Ausfall, abweichendem Gleis. Oh, es fährt doch tatsächlich ein Bimmelbähnchen ein! Und dann drückt sich eine Anzahl von Menschen, die sich normalerweise auf fünf Verbindungen verteilt hätte, auf einmal in die kleine Bummelbahn, und schon hat sie sich in eine Sardinenbüchse mit menschlichem Inhalt verwandelt. Glücklich schätzt sich, wer wie ich einen Sitzplatz ergattert hat. Der Rest steht und stapelt sich in den Gängen. Ich nehm’s mit Humor, denn das Ende ist in Sicht und immerhin, ich sitze.

Ehrlich, ich hab schon einige Situationen mit der Bahn erlebt, aber dieses Wochenende war die absolute Katastrophe. Für den Rückweg habe ich einfach in Hannover spontan den nächsten ICE genommen, der mich irgendwo ins Ruhrgebiet bringt – an welchem Bahnhof mich Cookie abholt, wurde da zur Nebensache. So bin ich sehr entspannt und kurzentschlossen von Hannover nach Gelsenkirchen gefahren, das war der nächste ICE, der in Hannover einfuhr und den ich nur bekommen habe, weil er mit ziemlicher Verspätung eintrudelte.

Ich bin nach wie vor ein großer Fan des Bahnreisens. Und es schockiert mich und macht mich unglaublich wütend, wie sehr wir dieses großartige Verkehrskonzept in den letzten Jahren heruntergerockt haben. Wie ich bereits sagte, ich bin einigermaßen firm darin, ad hoc herauszufinden, wie ich bei Ausfällen und verpaßten Anschlüssen trotzdem noch von A nach B komme. Was macht denn die Dame, die vielleicht einmal im Jahr mit der Bahn ihre Kinder besuchen fährt? Die Familie mit zwei Kindern, Koffer und Kinderwagen? Menschen, die nicht so geschickt darin sind, aus den teils widersprüchlichen Informationen aus Ansagen, Anzeigetafeln und App herauszufiltern, wie sie jetzt weiterkommen? Leute, die nicht wissen, daß ein Zugausfall die Zugbindung aufhebt und sie ihren Reiseplan dann flexibel gestalten können? Wie möchte man jemanden, der einmal irgendwo im Chaos der Deutschen Bahn gestrandet ist, ernsthaft davon überzeugen, daß die Bahn eine prima Alternative zum Autofahren ist? Eben.

An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für die Menschen brechen, die trotz des ganzen Chaos den Laden irgendwie am Laufen halten. Das Personal war unglaublich freundlich und hilfsbereit. Und zwar nicht dieses künstlich aufgesetzte „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag“, während sie innerlich den Kunden am liebsten erwürgen möchten, sondern tatsächlich bemüht. Die Leute in den Zügen und an den Bahnhöfen stehen selbst inmitten dieses Irrsinns, haben teilweise kaum mehr Informationen als der Fahrgast und versuchen trotzdem, aus der beschissenen Situation noch irgendetwas Brauchbares zu machen und dafür zu sorgen, daß die verirrten Schäfchen ans Ziel kommen. Sie erklären, sie helfen beim Umsteigen, suchen nach Möglichkeiten, geben Auskunft.

Der Zugbegleiter kann nichts dafür, daß mein IC ausfällt. Die Mitarbeiterin am Service-Point kann nichts dafür, daß mein ICE verspätet ist. Der Lokführer kann nichts dafür, wenn irgendwo eine Strecke überlastet oder wegen eines Notarzteinsatzes gesperrt ist. Und der Mensch, der am Bahnsteig versucht, zwanzig ratlose Fahrgäste in die richtigen Züge zu bugsieren, hat die Infrastruktur nicht kaputtgespart und auch nicht entschieden, wie viel Geld in welche Strecke investiert wird. Ganz im Gegenteil: Diese Menschen sind diejenigen, die den ganzen Mist auffangen müssen. Und dann stehen sie da, bleiben freundlich und hilfsbereit, bemüht, aus einer Situation, die sie selbst nicht verursacht haben, noch das Beste herauszuholen. Mein Problem mit der Bahn ist nicht das Personal. Nein, mein Problem ist das System, das dieses Personal ständig in solche Situationen bringt.

Ja, es kann immer was passieren. Ein Zug kann ausfallen, eine Oberleitung kann kaputtgehen, eine Weiche kann streiken, ein Baum auf den Gleisen liegen. Und wenn ein Mensch einen Notarzt braucht, ist es selbstverständlich wichtiger, daß der Notarzt zu diesem Menschen kommt, und dann kann ich auch gerne in Dortmund darauf warten, daß mein ICE irgendwo umgeleitet wird. Dann ist das eben Pech für mich.

Blöderweise ist die Summe der Probleme kein bedauerlicher Einzelfall mehr. Wenn aus einem ausgefallenen Zug eine Kette aus Verspätungen, überfüllten Ersatzzügen, Gleisänderungen und weiteren Ausfällen wird, dann rede ich nicht mehr nur über „Pech, kann mal passieren“. Dann rede ich über ein System, das offenbar so wenig Puffer hat, daß schon eine einzelne Störung reicht, um bundesweit Probleme zu produzieren.

Und das Problem ist nicht nun wahrlich nicht einfach so vom Himmel gefallen. Seit der Bahnreform 1994 wurde das Netz ordentlich zsuammengestutzt. Seitdem ist die Betriebsleistung der Deutschen Bahn um 28 Prozent gestiegen, während gleichzeitig das betriebene Streckennetz, gemessen an der Betriebslänge, um 17 Prozent geschrumpft ist. Heißt nix anderes als mehr Verkehr auf weniger Strecke. Dazu kommt der Rückbau an anderer Stelle. Eine Bundestagsdrucksache nennt für die Jahre 1994 bis 2012 insgesamt 9.539 stillgelegte Gleisanschlüsse. Das sind die Dinger, über die auch Unternehmen direkt ans Schienennetz angebunden waren. Auch nicht ganz unwichtig, wenn man Güter von A nach B transportieren will und die nicht unbedingt auf der Autobahn herum fahren sollen.

Natürlich ist die ganze Problematik ein wenig komplexer, als ich das hier gerade munter hingerotzt habe. Ändert am Ergebnis wenig: Das Netz ist vielerorts hochbelastet, Anlagen sind überaltert und störanfällig und es fehlen Reserven, sobald sich eine Störung ins System schleicht. Oder eine Kuh versehentlich auf einem Gleis herum steht. Und das sage ich nicht als der nächste miesepetrige Fahrgast, sondern die Bahn selbst. Und das Ergebnis läßt sich an den Pünktlichkeitszahlen ganz hübsch ablesen: im August 2026 waren gerade einmal 54,2 Prozent der Halte im DB-Fernverkehr betrieblich pünktlich. Wobei dieses „pünktlich“ mit Vorsicht zu genießen ist. Denn bei der Bahn bedeutet das: weniger als sechs Minuten zu spät. Zugausfälle werden in dieser Kennzahl nicht berücksichtigt, sondern erst bei etwas berücksichtigt, was sich „Reisendenpünktlichkeit“ nennt. Die lag im August immerhin bei ganzen 56,6 Prozent. Nun ja, sich die katastrophalen Zahlen schön rechnen kann man da wohl auch.

Infrastruktur fällt nicht vom Himmel. Die Idee, das Spielfeld kleiner zu machen und gleichzeitig mehr Spieler darauf zu schicken, war nur so semiklug. Was nützt mir ein super ausgestatteter ICE, wenn ich damit irgendwo vor Hannover geparkt werde, weil sich die vorausfahrenden Züge auf der Strecke stauen? Eine gut funktionierende Eisenbahn besteht aus Gleisen, Weichen, Stellwerken, Bahnhöfen, Personal und einer Menge Krempel, den ich als Fahrgast überhaupt nicht sehen möchte. Ich möchte als Fahrgast einsteigen und ankommen, ohne zwischendrin das Gefühl zu haben, mich auf einer Schnitzeljagd zu befinden.

Bei einer Autobahn würde wohl auch kaum jemand sonderlich charmant reagieren, wenn eine Brücke seit Jahren marode ist und deshalb regelmäßig alles zusammenbricht. Die Lüdenscheider können da ein Lied von singen. Es käme vermutlich auch kein Mensch, der einigermaßen an seinem Leben hängt, auf die Idee den betroffenen Autofahrern zu erklären, sie müßten sich eben besser mit alternativen Feldwegen beschäftigen. Bei der Bahn scheint diese Erwartung dagegen erstaunlich normal geworden zu sein.

Und was höre ich dann gerne mal? Richtig. „Dann fahr halt Auto.“ Ja, genau. Wenn wir mehr Menschen dazu bringen wollen, vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, ist dieser Ratschlag mal eine ausgesprochen brillante Strategie. Vor allem: Ich will ja gerade nicht mit dem Auto fahren. Ich habe kein Interesse daran, auf einer Autobahn im Stau zu stehen oder zu versuchen, mit den vorgeschriebenen achtzig Sachen durch die Baustelle zu gelangen, während mein Hintermann versucht, mir lichthupend in den Kofferraum zu kriechen. Vor allem möchte ich nicht nach drei Stunden Autobahnfahrt total platt am Ziel ankommen, weil diese drei Stunden konzentriertes Autofahren für mich nun einmal Arbeit sind.

Ich bin da simpel gestrickt. Ich möchte in einen Zug einsteigen, gegebenenfalls irgendwo umsteigen, weiterfahren und das bitte ohne vorher eine Ausbildung zum Eisenbahnverkehrsdisponenten absolviert zu haben. Bahnfahren darf nicht nur für Menschen wie mich funktionieren, die sich im Störfall irgendwie alleine durchs System retten können. Ein öffentliches Verkehrsmittel muß auch für diejenigen funktionieren, die nicht täglich damit umgehen, die sich mit Apps schwertun, die nicht wissen, was eine aufgehobene Zugbindung bedeutet oder die im Zweifelsfall nicht auf die Idee kommen, daß man auch eine völlig andere Route zum Zielbahnhof nehmen kann.

Für mich war der Umweg über Hannover ärgerlich. Ich kann mich durch Fahrpläne wühlen, mir alternative Verbindungen suchen und im Zweifel am Bahnhof Plan B bis F basteln. Für jemand anderen kann derselbe Umweg bedeuten, daß er überhaupt nicht mehr weiß, wie er nach Hause kommt. Und dann ist die Frage eben nicht mehr nur, ob ich eine Stunde später am Ziel ankomme, sondern ob dieses Verkehrsmittel für die Menschen, die tatsächlich so wagemutig oder einfach darauf angewiesen sind, es zu benutzen, zugänglich und verläßlich ist. Ach, und bitte, können wir aufhören, das Personal anzupöbeln? Ich bin mir ziemlich sicher, die fänden es auch angenehmer, wenn die Bahn pünktlicher wäre.

Ja, dann wundert es mich nicht, daß alle lieber ins Auto steigen und sich über Stau und Baustellen aufregen. Wir haben das mit der Verkehrswende mal so richtig gründlich verkackt und eine wirklich tolle Alternative zu den Blechlawinen, die sich über Deutschlands Autobahnen wälzen, ziemlich runtergerockt. Und wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es schlicht und ergreifend, bei mir in einen Zug zu steigen und ohne Drama, ohne Heldentaten und Masterabschluß in spontaner Reiseplanung am Ziel anzukommen.

Hey, wünschen darf ich mir das. Vielleicht muß es erst schlimmer werden, bevor es besser werden kann? Oder, wie es so schön heißt: „Ein Optimist ist ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind.“

Ich halte dann mal ganz optimistisch dem Bahnfahren die Treue. Immerhin kann ich im Zug länger lesen, wenn er wieder im Stau steht.

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