Realitätscheck? Die Realität kann mich mal.

Samstag morgen. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint ins Fenster und kühl streicht mir die Morgenluft übers Gesicht. Gut gelaunt schwinge ich mich aus dem Bett, schließe leise die Türe hinter mir damit der beste Cookie noch ein wenig schlafen kann. Ich hingegen nutze die morgendliche Ruhe für ein bißchen Yoga im Wohnzimmer. Man muß ja geschmeidig bleiben im Alter. Danach bin ich bis in die Haarspitzen entspannt und genieße ein gutes Frühstück. Mit Knäcke und Hüttenkäse und Superfoods und so. Hauptsache gesund und lecker, das ist schließlich nicht nur gut für mich sondern sieht, so unter uns, verdammt fotogen aus. 

 

 Nach einer Dusche schwinge ich mich auf meinen Drahtesel, die zwei Kilometer bis zum Wochenmarkt mache ich kein Auto an. Außerdem findet man da nie einen Parkplatz. Gemütlich und mir Zeit lassend schlendere ich über den Markt, kaufe saisonales Gemüse und Obst sowie Fleisch vom Schlachter, der seine Kühe noch mit Vornamen kannte. Dann fahre ich mit meiner Beute wieder nach Hause, in dem kein Geschirr herum steht und der Boden gesaugt ist. Hach, ein Hoch auf den ordentlichsten Cookie von allen. Die Waschmaschine hatte ich angemacht bevor ich los geradelt bin und jetzt piept sie mich an, ich möge doch bitte die nasse Kleidung aus ihrem Inneren entnehmen. Tue ich doch gerne.

Realitätscheck; Rosen, analog

Hach, das Leben ist zu gut zu mir. Und wie ich das alles immer gewuppt kriege. Leckere, gesunde Mahlzeiten für den besten Cookie der Welt und mich zu kochen. Die Wohnung immer ordentlich zu halten. Mondänes Grünzeug wie Monstera und Eukalyptus und schickes Dekogedöhns um mich zu drapieren. Super Bilder von meinem Leben mit der Welt zu teilen. Sport zu machen und noch genug Zeit zu haben mir tolle Oberteile zu stricken und Blogtexte zu schreiben und gute Bücher zu lesen und und und …

BÄMM! Realitätscheck?

Jetzt landen wir alle mal wieder hart in der Realität hier. Das ist kein schicker Instagram-Account mit überbelichteten Bildern, die mein perfektes Leben illustrieren. Sondern mehr so das nicht wirklich schick bebilderte Chaos. Hier zwitschern morgens mit Sicherheit die Vögel vor dem Fenster. Ich find das halt nicht unbedingt immer idyllisch. Mir geht der Lärm das Gezwitscher jetzt mehr so auf den Sack wenn ich die Augenlider gerade mal auf Halbmast gehißt kriege. Yoga mache ich schon gar nicht, weder Samstags noch in der Woche. Und das letzte Mal habe ich mich aus dem Bett geschwungen als ich mitten in der Nacht von einem Gewitter aus dem Schlaf gerissen wurde und mir schlagartig einfiel, daß alle Fenster weit offen waren. Ich falle morgens mehr so aus dem Bett wie ’ne altersschwache Ente und schlurfe einem Zombie nicht unähnlich Richtung Küche und Bad. Mit Augenlidern, die nicht weiter geöffnet werden als unbedingt nötig um die Türrahmen unfallfrei umschiffen zu können.

Realitätscheck; Bahngleise; analog; schwarzweiß

Ich hab da dieses Bild, wie ich mir mein Leben vorstellen würde käme eine gute Fee vorbei gesegelt und böte mir ein paar Wünsche an. Gerne wäre ich die Frau, die morgens wieder um fünf Uhr aufsteht statt sich dann irgendwann um halb sieben oder noch später wie eine plattgelatschte Qualle aus dem Bett zu nötigen. Seit Wochen würge ich morgens um sechs den Wecker ab mit dem Gedanken ¨Joa, könntest heute ja mal früher aufstehen¨. Stattdessen zeige ich der Stimme, die solchen Stuß verzapft, den mentalen Stinkefinger und vergrabe mich unter meiner Bettdecke. So sieht das in der Realität aus. Nix mit gut gelaunt und den Tag nutzen … Bla bla.

Läuft ja echt gut bei mir. Rückwärts und bergab, aber läuft. Sport? Vergiß es, mittlerweile schickt mir mein Studio nicht mal mehr aufmunternde E-Mails. Die haben es aufgegeben. Bloggen? Na, guck Dich um. Momentan rollen hier mehr Staubmäuse herum als gescheite Beiträge. Stricken? Jo, zwei Stunden die Woche wenn der Stricktreff nicht ausfällt. Fotografieren? Nur weil ich die Kamera immer in der Handtasche habe heißt das nicht, daß ich damit Bilder mache. Oder an meinen Projekten arbeite. Ach ja, und ’ne trendy Monstera habe ich auch nicht.

Realitätscheck; Muscheln; analog; Rollei Redbird

Überall stolpere ich über angefangene Projekte und Arbeiten, die Wohnung sieht ständig aus als sei ein Tornado durch gefegt. Vermutlich der gleiche Tornado, der auch meine Motivation mit sich gerissen hat. Im Moment kriege ich gefühlt nichts Kreatives und Lebensplanmäßiges mehr auf die Kette und das nervt mich. Mal so richtig. So’n Realitätscheck bringt unschöne Dinge ans Tageslicht, das braucht doch kein Mensch. Ich übrigens auch nicht.

Ehrlich, ich kann mich als Privatperson momentan nicht sonderlich gut leiden. Ich gehe mir ausdauernd selber auf die Nerven und egal, was ich versuche um wieder Spaß an meinen Hobbys zu haben, ich falle damit auf die Fresse. Die Bilder von meinem Urlaub in Mallorca liegen immer noch auf der Platte und harren ihrem Auftritt im Blog. Ich falle fast jeden Morgen über meine Schwimmtasche, kriege den Arsch aber nicht ins Freibad. Immer wieder habe ich unterwegs diesen kurzen Impuls ¨Boah, geiles Motiv, Licht, Schatten, Farben¨ und hole doch die Kamera nicht aus der Tasche. Lesen? Sonntags beim Frühstück vielleicht, das aktuelle Buch liegt seit gefühlt Monaten auf dem Nachtisch. Und nein, es liegt nicht am Buch.

Realitätscheck; Kameraliebe; analog

Gefühlte hundertdrölfzig Ideen, die in meinem Notizbuch vor sich hin schlummern. Da kommen sie nicht weg und passieren kann ihnen da auch nix. Nur mit der Umsetzung, da klappt es es nicht. Mangelnde Selbstdisziplin und fehlender Fokus. Ich bin schnell frustriert wenn ich nicht die Ergebnisse bekomme, die ich erwartet habe. Statt mich also durch zu beißen gehe ich den Weg des geringsten Widerstandes und …. Oh, guck mal da, ein Eichhörnchen … Ich bin das Kind, das zu Weihnachten uuunbedingt das superduper Spielzeug haben will, das alles kann außer Rasen mähen und Fenster putzen. Selbiges Kind pfeffert das superduper Spielzeug schmollend in die Ecke wenn es nicht sofort kapiert wie es funktioniert.

Das ist doch scheiße. Ich brauch das nicht. Ich will das alles nicht. Bett, Büro, Supermarkt, Couch. Tag vorbei. Und ich stecke fest in dieser Routine, die sich wie zäher Matsch an den Stiefeln fest saugt. Ich will mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren. Nicht nur, weil es Sprit spart. Sondern weil es gesünder ist. Kein Fastfood mehr in mich hinein zu schaufeln weil Pizza bestellen oder mit den Kollegen Mittags essen fahren ja viel bequemer ist. Endlich wieder den Hintern früh genug aus dem Bett zu bekommen um Schwimmen zu fahren oder Yoga zu machen. Mein Rücken würde es mir danken. Mein Hosenbund auch. Ausflüge machen, mich mit der Kamera in der Hand treiben lassen, Inspirationen sammeln und an meinen Fähigkeiten feilen. Lesen, stricken, schreiben, bloggen. Und, und, und …

Realitätscheck; Betreten verboten; analog; schwarzweiß

Tja, und dann kriegste vom Leben noch so nebenbei im Vorbei gehen eins auf die Fresse und die Stiefel bleiben erst recht in der Routine stecken. Da stehe ich nun mit meinen löchrigen Socken im kalten Matsch und komme nicht weiter. Wie soll es auch vorwärts gehen wenn ich die Gedanken ständig Karussel fahren lasse. Da drehste Dich im Kreis statt von A nach B zu kommen. Ich möchte gerade gerne aussteigen, aus dem Karussel der schlechten Nachrichten, fehlenden Motivation und dieser verdammten Routine. Kann mal einer den Knopp drücken auf dem „Karussell aus“ steht? Danke.

Alter Vatter, haste jetzt genug herum geflennt? Heulen hilft nix, Mädel … Und sich eine Monstera kaufen auch nicht, oder? Hast halt nur die eine Realität. Finde dich damit ab und mach das Beste draus. Kannste doch sonst auch?

Realitätscheck;Grünlilie; analog

Bin mal aufräumen und mein Fahrrad suchen. Wenn nicht ich, wer dann? Wobei, das Fahrrad kann Cookie reparieren. In der Zeit bis er fertig ist kann ich mit dem Auto zum Gartencenter fahren, eine Monstera kaufen. Hey, die könnte ich auf dem Rad gar nicht transportieren. Wie, ich soll die Ausreden sein lassen? Was für Ausreden, das Rad ist echt kaputt. Ich schwöre es. Ganz ehrlich.

Gut, dann eben keine Monstera. Pffft.

Realitätscheck; Blüten; analog; schwarzweiß
Eine zufällige Auswahl analoger Bilder, die im Archiv schlummerten und nicht zwangsläufig etwas mit dem Thema zu tun haben. Ich war einfach zu faul, passende Bilder zu machen. Arsch hoch ist noch nicht ganz im Kopp angekommen …

15 Gedanken zu „Realitätscheck? Die Realität kann mich mal.“

  1. das ist die „Mallorca-Traumurlaub-Entzugserscheinung“. Ich habe bis vor 2 Wochen auch extrem drunter gelitten. Dann habe ich Entscheidungen getroffen und nun gehts mir wieder super. Email für Dich nachher.

    1. Hab Deine Mail gesehen und Dir mal in epischer Breite das Elend ins Postfach geklatscht, das ich hier mit einem halben Absatz angerissen habe 🙂

      Und ja, ein Roadtrip wäre jetzt eine feine Sache. Blöderweise nehme ich mich aber mit, ich kann mich ja schlecht zu Hause lassen und wie heißt es so schön bei Metallica?

      ¨Misery loves company …¨

      Entscheidungen stehen hier auch an. Kann ja so nicht weiter gehen mit mir 😉

  2. Ich mag deinen Realitätscheck. Ich sitze hier nickend mit einem fetten Grinsen. Ich bin ja auf deine Einleitung reingefallen und hab mir das in meinem Kopfkino angesehen und dich beneidet, dass du das schaffst ;o) Aber leider isst bei mir gerade genauso. Zu viel Kopf um zu wissen wo man ansetzen soll. Wenigstens hab ich es vorhin geschafft statt dem drölfzigsten Kaffee 15 Minuten auf den Elipsentrainer zu gehen. Mein Rücken dankt zumindest ein bisschen. Ich drück dich! Und uns beiden die Daumen, dass wir es schaffen irgendwo anzusetzen.

    Liebe Grüße, Carmen

    1. Die Einleitung ist fies, ich gebe das zu. Würde ich auch zu gerne drauf rein fallen 😉

      Ich hab mich gestern abend zum Yoga angemeldet, das neue Semester startet ja nach den Sommerferien wieder. Und da ich morgen mein Auto zur Werkstatt bringen muss (man könnte meinen ich fahre einen BringMichWerkstatt …) kann ich die Gelegenheit nutzen mit dem Dienstrad vom Büro nach Hause zu fahren. Ansonsten gucke ich seit einer Woche keine Serien mehr, ich sitze stattdessen und schreibe Texte. Auch wenn die erst mal nur als halbe Entwürfe im Backend rum dümpeln, Hauptsache mal wieder ans Schreiben kommen.

      Wir schaffen das, den Allerwertesten hoch zu kriegen! Gut, im Moment sitze ich drauf weil ich im Stehen so schlecht tippen kann – davon gibbet erst recht Rücken. Und wenn normale Schritte nicht funktionieren, dann eben Babyschritte – und sei es nur eine Viertelstunde Elipsentrainer! By the way, was ist das?

      Also, Babyschritte, Baby? 😉

      Liebe Grüße,
      Mirtana

  3. Hm also, nenn mich Schwarzseherin, aber ich würde derzeit gerade gegen Dich wetten, was Yoga angeht. Ja, voll fies, bitte versteh das als meine Sympathie, ich bin nämlich nur zu Leuten verletzend ehrlich, die ich mag. Eine ziemliche Kack-Angewohnheit. Und Gewohnheit ist ja hier irgendwie das Stichwort.
    Also Entscheidungen hören sich gut an, ich würde aber erst einmal Entscheidungen GEGEN Dinge treffen, nicht noch mehr Entscheidungen FÜR irgendwas. Ich hab den Eindruck, Du hast – und das kenne ich verdammt gut – schon viel zu viele Entscheidungen für irgendwas getroffen (ich sollte Yoga machen, ich will Fotografieren, ich will Frühaufsteherin sein, ich muss dies, ich muss das…), und dann kommt Frauchen Perfekt vorbei und zeigt Dir, wo es in jeder Ecke damit hapert und Du hockst mit schlechtem Gewissen da, Deinem zusammengeschusterten „ich muss – ich will“-Selbstbild nicht mehr zu entsprechen.
    Sorry, nein, ich will hier nicht Dich psychologisieren, ich sage meine Meinung und das, was ich nämlich genau so von mir kenne.
    Derzeit brennt es bei mir an allen Ecken und Enden, seit etwa einem Jahr. Deadlines, Projekte, die Arbeit, zig andere Ansprüche… Das war viel zu viel. Also habe ich einen Cut gemacht:
    1.: Keine neuen Projekte mehr annehmen (hüstl, das ist so halb geglückt).
    2.: Mich von Projekten verabschieden – kurze fix erledigen, andere ganz bewusst auf nächstes Jahr verschieben, andere absagen.
    3.: Mich von Vorstellungen verabschieden, die ich nicht bedienen kann, z.B.: Keine Selfies mehr. Ich hasse Selfies, und nur, weil manche Leute gerne auf SoMes Fotos von mir sehen wollen, gibts deshalb dennoch kaum welche. Oder auch: Ich bin keine Frühaufsteherin mehr und kann nicht länger als 6 Stunden pro Tag produktiv arbeiten. Dann ist das eben so. Und die Prokrastiniererei wird inzwischen zelebriert und nicht mehr mit schlechtem Gewissen hinter mich gebracht. Das Haus sieht scheiße aus. Ja, auch das ist eben so, ich bin nicht Wonderwoman.
    4.: Ich kann nur eine Sache auf einmal. Also ich könnte auch 3 auf einmal aber dann werden alle 3 nur mittelmäßig und ich schon wieder konfus. Also habe ich Zeiten – seeehr großzügige Zeiten, für jede Sache. Zeiten für Buch schreiben. Da seh ich halt ultra scheiße aus, Dusche nicht und die Küche ist voller Gerümpel. Aufräumzeiten. Da denke ich nicht an Projekte sondern kümmere mich um Wäsche und Küche. Projektzeiten. Da kann ich halt nicht noch anderes nebenbei machen. Blog? Dann gibts eben mal keinen neuen Post.
    Und siehe da: Es ist nicht so, dass alles „flutscht“, aber dann wäre es ja auch kein Leben. Aber ich bekomme wieder mehr Dinge gebacken. Und habe vor allem dieses furchtbare schlechte Gewissen wegen allem und etwas abgelegt. Das macht einen nämlich echt fertig, finde ich.

    Liebe Grüße
    /inka

    1. hihi, ja, Entscheidungen… für oder gegen? FÜR Yoga = GEGEN faulsein. Und nun in Deinem Sinne, Inka: GEGEN zu viel vornehmen = FÜR chillen… auch ganz in meinem Sinne! Ich habe mich mit dieser Methode aus meinem Loch geholt. Wenn man es sich erlaubt und es als eine Art Selbsttherapie ansieht, sind die Erfolgs-Chancen groß.

    2. @inka: Ich mag Deine Kack-Angewohnheit. Ehrlich. Ich denke noch ein wenig drüber nach, über Deinen Kommentar. Nicht, daß Du meinst, ich wäre sauer oder so. Bin ich nicht. Ich muss da ein wenig drauf herum kauen. Auf dem, was Du gesagt hast und bis ich damit fertig bin kann ich Dir keine ehrliche Antwort auf Deine Worte geben. Kommt noch. Jetzt erst mal ein fettes Danke für Deine Ehrlichkeit. :-*

    3. So, Du Schwarzseherin. Jetzt ist Wochenende, draußen regnet es und ist uselig (Suppenwetter!). Jetzt kriegste die Antwort, die ich versprochen habe 🙂

      Immer noch Danke. Für die Kack-Angewohnheit, ehrlich zu sein. Habe ich mal so überhaupt nichts gegen, ich mag das. Und ich mag Deine rotzige Art den Nagel auf den Kopf zu treffen. Du hast nämlich recht. Noch mehr Entscheidungen „FÜR“ irgendwas ist nicht das, was ich im Moment brauche. Allerdings, um mal hier auf der philosphischen Schiene zu bleiben, hat Frau Rabe schon ganz recht mit dem, was sie sagt. Eine Entscheidung für etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen etwas. So zur Erklärung zwischendrin: ich bin so jemand, ich kann ewig auf einem Thema herum kauen. So wie trockenes Brot, das im Mund immer mehr wird. Wenn ich mich dann zu Wort melde, dann habe ich die Talsohle erreicht. Oder anders, das trockene Brot ist zu einem Klumpen zerkaut der die Kapazität meiner großen Klappe übersteigt.

      Hier nicht sichtbar und thematisiert habe ich die letzte Zeit eine Menge Entscheidungen gegen etwas getroffen. Das Arbeitszimmer entrümpelt, angefangene Projekte beendet oder schlicht entsorgt, den Kleiderschrank verschlankt (so die Klamotten, von denen ich immer dachte, ich pass da noch mal rein … *hust*), Social Media Kanäle und Feedreader entmistet. Und eine Menge nachgedacht. Und bei Entscheidungen frage ich mich mittlerweile immer „Warum will ich das eigentlich?“ Weil ich dazu neige, mich in anderer Leuts Vorstellung, wie ich denn so zu sein habe, zu verlieren. Ich mag halt gerne wieder früh aufstehen weil mir das, so bekloppt das klingt, gegen Schlafstörungen geholfen hat. Und, nicht minder wichtig, ich bin ein Morgenmuffel. Da ich nicht alleine wohne läuft hier morgens ein Cookie herum. Radio an, reden, interagieren zwei Minuten nachdem ich die Augen aufgemacht habe? Ähm. Ich hab den Post Sonntags geschrieben und für Montag zur Veröffentlichung terminiert. Und bin Montag morgen einfach wieder um kurz nach fünf aufgestanden. Wie den Rest der Woche auch. Ich genieße das einfach, morgens ungestört wach werden zu können – egal, ob ich mich für eine Runde Yoga auf die Matte begebe, irgendwas aufräume, meditiere oder einfach ein paar Reihen stricke. Gerade Yoga und Meditation helfen mir morgens unglaublich um fokussiert in den Tag zu starten statt irgendwie zu zerfasern. Somit kriege ich auch mehr auf die Kette und habe nicht ständig das Gefühl irgendwo offene Baustellen herum liegen zu haben.

      Es werden keine neuen Projekte mehr gestartet, ich hab genug Spielzeug für die nächste Zeit. Und die Projekte, die entweder vor die Wand gelaufen sind oder aber schon gefühlte Ewigkeiten unfertig hier herum liegen sind raus geflogen. Aufzuhören damit, mich selber mit Verachtung zu strafen und über das, was ich wirklich brauche, hinweg zu setzen. Das mit den Zeiten für jede Sache finde ich ’ne gute Idee. Es muss auch gar nicht flutschen, es reicht wenn es mir gut geht und mir nicht ständig gefühlt alles um die Ohren fliegt 😉

      Liebe Grüße,
      Mirtana

  4. Haaa! Hier auch!

    Nur, dass ich gerade Nägel mit Köpfen gemacht habe und jetzt vor lauter Sorge um die Zukunft den Arsch genau so wenig hoch bekomme wie vorher, als ich noch keine Nägel mit Köpfen gemacht hatte. Naja. Arsch hoch ist gut. Ich habe mir seit Tagen vorgenommen endlich wieder laufen zu gehen und suche gerade noch ausreden, warum es gleich nicht geht 😉 (Handy Akku alle, Laufuhr Akku alle, sieht komisch dunkel am Himmel aus)

    Dafür gehört bloggen zu meiner prokastiniererei – das kann man super machen um nicht laufen, lernen, Bewerbungen schreiben zu müssen *prust*

    1. Gut, daß ich damit nicht alleine bin. So fies das auch klingt, und es ist echt nicht so gemeint, das hat was Tröstliches. Zu meiner Prokrastiniererei gehört ganz definitiv stundenlang und ziemlich ziellos im Internet herum surfen. Fängt meist damit an, daß ich etwas Bestimmtes recherchieren will und dabei jedes mal total vom Weg abkomme … Lustige Katzenvideos, anyone?

      Über die Nägel mit Köpfen hab ich bei Dir gelesen. Mutiger Schritt!

      Liebe Grüße,
      Mirtana

    1. Im Moment tauge ich nicht zum Vorbild 😉 Bemühe mich aber, daran zu arbeiten. Wie heißt es in Arbeitszeugnissen immer so schön?

      Sie war stets bemüht!

      Allerdings stelle ich gerade fest, so ein schriftliches Auskotzen hilft. Macht zumindest klarer was hier gerade wichtig ist. Und was nicht. Ist ja immerhin auch was 🙂

      Mal wieder Spanier, so demnächst?

      Liebe Grüße,
      Mirtana

  5. ich versteh so gut was du meinst. instagram und realität ist halt mittlerweile leider ein widerspruch in sich. unsere tage haben nur 24 stunden und das angebot an allem, was man machen könnte und sollte ist einfach nie endenwollend. man kann nur prioritäten setzen oder ertrinken, im einen bin ich nicht gut, vom anderen nicht begeistert. aber man wurschtelt sich raus aus der spirale, schafft es wieder eine weile, rutscht wieder hinein. mir scheint, als wär das nunmal irgendwie das leben.

    1. Ich habe, und das klingt schon ein wenig böse, sehr viele Accounts aus meiner Timeline gekickt. Zu viel Hochglanz, teilweise echt nervige Werbung für Gedöhns oder einfach nur die ewig gleichen Bilder. Ich mag den Feed von Instagram selber, die stellen dort immer wieder mal interessante Künstler vor.

      Und sonst Folge ich Leuten, deren Blogs ich lese und/oder bei denen ich das Gefühl habe die machen ihr eigenes Ding. Das finde ich viel inspirierenden als all die überbelichteten Feeds ohne eigene Sprache 😉

      Deinen letzten Satz werde ich mir auf ein Post-It an den Bildschirm pappen. Finde den so passend <3

      Liebe Grüße,
      Mirtana

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