Falling in Love with … meiner Handykamera.

Dorothy, meine Kamera, und ich, wir zwei scheinen unsere Differenzen allmählich beigelegt zu haben. Zumindest hänge ich diesem Glauben noch an als die Kamera aus meiner Tasche hole um eine Idee in Bilder umzusetzen, die mir seit meinem letzten Spaziergang im Regen nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. Die hat sich da einfach fest gesetzt, als ich auf dem Weg zurück zum Parkplatz ein Stück Müll im Gebüsch liegen sah … Ja, ich hätte auch gerne angenehmere Arten, um die Inspiration in meinem Leben willkommen zu heißen, als ein Haufen Müll. Danke auch.

Ich hole also die Kamera aus meiner Tasche und starre nach dem Einschalten auf folgende Mitteilung, die mir Dorothy auf ihrem Display anzeigt. Wirklich, ich könnte schwören, ich hörte gerade ein gemurmeltes “Wie dämlich kann man eigentlich sein?!!” Immerhin habe ich alles minutiös vorbereitet, das kann jetzt also echt nicht wahr sein. “Dämlich, dämlicher, Frau Mirtana!” Das muss die Kamera geflüstert haben, die Alternative hieße, ich würde mit mir selber reden. Also bitte, ich führe doch keine Selbstgespräche auf öffenlichen Parkplätzen…!

Zurück zum Thema. Bei diesem Anblick fiel mir nicht nur alles aus dem Gesicht, ich sah mich auch mit drei Optionen konfrontiert:

Option 1: Den Tag in den Sack kloppen.

Zum Auto dackeln, alles zurück auf den Rücksitz werfen, schmollend nach Hause fahren, die Gemeinheit dieser Verschwörung gegen meine unschuldige Person anprangernd und mit schlechter Laune auf meiner Couch den Tag eben Tag sein sowie mich von Cookie auslachen lassen …

Option 2: Die Speicherkarte holen.

Zum Auto dackeln, alles zurück auf den Rücksitz meines Autos werfen, mich hinters Lenkrad klemmen und die Speicherkarte zu Hause holen. Dabei den Zeitverlust zähneknirschend hin nehmen um danach etwas zügiger mein ausführlich ersonnen und ach so gut vorbereitetes Konzept in Bilder umzusetzen. Sowie mich von Cookie auslachen lassen …

Option 3: Darauf geschissen!

Das tun, warum ich hier bin. Dann habe ich eben keine Speicherkarte für die DSLR mit, schleppe ich sie halt so mit mir herum. Kann ich im Falle eines Überfalls immerhin noch meinen Angreifer mit bewerfen… Schließlich habe ich ein neues Smartphone mit einer herausragenden Kamera, mit derem umfangreichen Funktionsprogramm ich mich schon länger beschäftigen will. Darunter auch die Möglichkeiten, ganz viel manuell einstellen zu können. Dann mache ich meine Bilder eben damit! Muss Cookie halt noch warten bis er mich auslachen kann – auch wenn er das amüsieren nennt. Amüsieren! Das ist doch auch nur Auslachen light. Pft.

Oookay, Herausforderung angenommen!

“Eins, zwei oder drei … Ob Du richtig stehst, siehst Du, wenn das Licht angeht!”

Jetzt bin ich schon mal hier, ich habe eine Thermoskanne Tee dabei, eine alte Tasse samt Unterteller und das Wetter spielt auch mit. Ich zieh das jetzt durch, dann eben ohne die blöde Speicherkarte. Bämm.

Falling in Love with ... meiner Handykamera

Was ich nicht so ganz bedacht habe, ist die Tatsache daß der Wittringer Wald (ja, schon wieder … der ist halt hier umme Ecke) am Wochenende recht gut bevölkert ist. Sprich, ständig latscht irgendwer vorbei und guckt komisch weil da eine Frau im Laub sitzt, mit einer Teetasse und ihrem Handy hantiert. Bei der Spiegelreflex wäre zumindest auf den ersten Blick ersichtlich, warum ich halb mit dem Gesicht im Dreck liege und mit einem Arm eine Tasse in die Luft recke …

Falling in Love with ... meiner Handykamera

Gut, die Leute hätten mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem komisch geguckt. Glaube ich. Jetzt mal Butter bei die Fische: ich hätte vermutlich ziemlich doof geguckt bei dem Anblick einer kleinen dicken Frau, die auf den Knien im Laub hängt, den Arsch und einen Arm in die Luft, das Gesicht hingegen fast auf dem Boden … Ich lehne mich nicht mal sehr weit aus dem Fenster bei der Aussage, daß ich nicht nur sehr dämlich geguckt hätte, ich hätte auch noch den Mund aufgemacht. Um laut zu denken. Natürlich.

Der Sinn und Zweck der Übung? Einfach zehn verschiedene Fotos von einem Motiv – oder in diesem Falle Objekt – machen. Zehn unterschiedliche Einfälle, wie man einen Gegenstand auf einem Bild unterkriegt. Man sollte ja meinen, die ersten drei, vier Bilder fielen leichter. Bei mir nicht, ich habe mich mit den ersten Bildern unglaublich schwer getan … Bis ich dann drin war im Spiel.

Fazit: Geht auch mit der Handykamera.

Egal, ob die Leute gucken oder sogar was sagen. Ich bekomme die Blicke nur am Rande mit, wenn sie sich allzu aufdringlich in mein Blickfeld schleichen und dank Ohrstöpseln besteht mein akustischer Raum aus Pink Floyd. Ein wunderbarer Klangteppich um zu spielen. Genau das mache ich mit meinem Smartphone und der Tasse. Ich spiele. Probiere Ideen aus. Lerne die Bedienung der Kamera kennen. Versuche, verwerfe, schaue kritisch, verbessere. Ohne mir Gedanken zu machen ob das Endergebnis das Knallerfoto schlechthin in meinem nicht mehr vorhandenen Feed wird. Ob die Bilder am Ende Herzchen und Gefällt mir Däumchen kassieren, interessiert mich gar nicht.

Schwer zu erklären, es geht mir einfach um den Prozess, Bilder zu machen, an sich. Diesen Moment, wenn nichts anderes mehr zählt und registriert wird als das Bild aus meinem Kopf auf die Speicherkarte zu bannen. Einfach mit den Ideen mit zu gehen, wie sie mir in den Kopf kommen statt dem krampfhaftem Versuch, sie aus ihren Verstecken zu zerren. Kreativität zu fühlen und sich mit ihr die Zeit zu vertreiben. Sie wird mehr, wenn man ihr den Raum läßt zu wachsen statt sie mit Zwang herbei reden zu wollen, die Kreativität.

Falling in Love with ... meiner Handykamera

Jedes Bild, jede Situation bringt mich auf drei neue Ideen, was ich mit der alten Tasse noch anstellen kann. Die Kamera meines neuen mobilen Telefons kann was. Die Software, die darin steckt, ist unheimlich leistungsstark. Die erkennt die Situation vor der Linse und mir gelingen auch ohne Spiegelreflex ein Teil der Bilder, die ich machen wollte. Egal ob voll automatisch, mit Belichtungsautomatik oder ganz manuell: das Teil macht echt Spaß.

Wie gut, daß ich Option drei gewählt habe. Da ja angeblich in allem eine Lektion stecken soll, was haben wir fürs nächste Mal gelernt? Erst checken ob eine Speicherkarte in der Kamera ist, dann Kamera einpacken. Oder zumindest sicher stellen, daß das Smartphone mit an Bord ist. Auch wenn ich die verbaute Kamera nicht als vollwertigen Ersatz für meine Spiegelreflex, liebevoll Dorothy gerufen, halte macht das intelligente Telephon eine ziemlich sexy Figur als Alternative. Die Bilder sind alle mit meinem neuen Mobilknochen entstanden und ich finde nicht unbedingt, daß man ihnen das auf den ersten Blick sofort ansieht. Oder?

Falling in Love with ... meiner Handykamera

Ach ja, und natürlich hat sich Cookie über mein Mißgeschick amüsiert. Also er sagt, er habe sich amüsiert. Ich behaupte, das war ein liebevolles Auslachen. Light.

4 Gedanken zu „Falling in Love with … meiner Handykamera.“

  1. “Was wir als Unglück oft beweinen wird später uns als Glück erscheinen!”

    Das war ein Spruch auf einem Holzbrettchen in der Küche meiner Großmutter und ich finde er paßt zu dieser Geschichte und den Ergebnissen, wie die “Faust aufs Auge”.

    Ich habe seit ca. drei Jahren auch ein solches Telefon – weniger weil ich es brauche, eher weil ich nicht ‘abgehängt’ sein wollte und wissen mußte, was da so geht. Allerdings macht es nicht so gute Bilder, und wenn ich ehrlich bin, bin ich eben nicht der ambitionierteste Fotograf.

    Ich habe mich an deinen Bildern erfreut, so seltene Perspektiven, und ein Schmunzeln konnte ich mir nicht bei deiner Selbstbeschreibung während der Aufnahmen verkneifen ….

    1. Das ist ein sehr schöner und weiser Spruch. Und ja, er paßt auch hier 😉

      “Allerdings macht es nicht so gute Bilder, …”

      Die alte Diskussion, wer die Bilder macht. Die Kamera oder der Fotograf? Die Kameras in den neuen Smartphones, bzw. die Software, die dahinter steckt, wird in wirklich großen Sprüngen immer besser. Allerdings vertrete ich die Meinung, daß die Kamera – egal welche man nimmt – ein Werkzeug ist. So wie es verschiedene Pinsel und Maltechniken gibt, so gibt es eben auch verschiedene Kameras mit Stärken und Schwächen.

      Vielen Dank, es bringt mein fotografisches Ich zum Strahlen wenn anderen Menschen die Bilder gefallen. Und das Schmunzeln gehört dazu, ich hätte auch sehr laut geschmunzelt bei meinem eigenen Anblick.

      Liebe Grüße,
      Mirtana

  2. Ich liebe deine Bilder! <3 Alleine für die Idee mit der Tasse und dem Tee feiere ich dich.
    Das mit der Speicherkarte ist mir zwar noch nie passiert, aber seit ich mein neues Smartphone habe, überlege ich mir bei Ausflügen, ob ich die Spiegelreflex mitschleppe oder nicht. Meine letzten Bilder bei Insta habe ich alle mit dem Phone gemacht, und ich liebe die Ergebnisse sehr. Natürlich ersetzt sie die Spiegelreflex nicht, aber es ist schon cool zu wissen, dass man die Möglichkeit hat zu wählen ohne sich nachher zu ärgern. Oder eben auch für einen Notfall, wie deinen ;o)

    Liebe Grüße, Carmen

    1. Danke schön <3

      So eine Spiegelreflex hat, vor allem mit den großen Objektiven, ja auch nicht wenig Gewicht und ich stimme Dir zu, es ist nicht schlecht eine gute Alternative zu haben. Auf dem letzten Neffe-Tante-Ausflug habe ich die Spiegelreflex vergessen (ich wollt "mal eben" den Akku laden und dann bin ich ohne Kamera gefahren ...), was auch nicht dramatisch war. Komme eh nicht wirklich zum Fotografieren mit dem Zwerg, Tiere füttern war auch viel spannender 🙂

      Liebe Grüße,
      Mirtana

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